Eine wunderbare Gelegenheit, auch im Urlaub Kunst zu genießen: In der „Kunsthall Stavanger“ fand die „Vestlandsutstillingen“ statt © Zeichnung Roswitha Geisler

Sie ist für mehr als eine Überraschung gut – die Kunsthalle in Stavanger. Nicht nur, dass die charmante Dame an der Kasse uns in klangvoll höflichem Deutsch begrüßt, dass wir in der Ausstellung keine Maske tragen müssen und dass der „Performance-Raum“ nur auf Socken betreten werden darf, sondern wir haben auch das Glück, die zur Zeit stattfindende „Vestlandsutstillingen“ bewundern zu können.

Hier erzählen 16 Künstler aus Westnorwegen mit insgesamt 31 Werken einzigartige Geschichten, die zusammen eine ganz besondere, mystische Stimmung ergeben.

In der ausführlichen Erklärung, die die Kuratorin Heidi Bjørgan hierzu herausgegeben hat, ist zu lesen:
„ …die Suche nach Werken, die inszeniert werden können, sodass die Ausstellung eine subtile und seltsame Atmosphäre hat, ähnlich wie in einem Lynch-Film. Stimmungen verbunden mit seltsamen und traumhaften Szenen oder sinnlich und verführerisch. Zweideutige Stimmungen, in denen Verspieltheit und Horror Hand in Hand gehen. Unter einer perfekten Oberfläche lauern oft Tod und Elend, während in etwas, das verkommen und zerstört aussieht, gleichzeitig etwas Rührendes und Schönes genossen werden kann.“ (Zitatende)

So werden hier u.a. nuancierte, verschlüsselte Keramiken von Irene Nordli, stille Fotos von Helene Førde, sibyllinsche Acrylbilder von Brynhild Grødeland Winther und eine geheimnisumwitterte Installation von Æsa Bjørk gezeigt.
Um deren scheinbar zerbrechliche, membranartige „SÝN IV“, die aus durchscheinenden Glasobjekten besteht, bestaunen zu können, lasse ich mich auf die Knie nieder. Wie Æsa Bjørk ihre Motive findet?

„SÝN IV“ von Æsa Bjørk / © Foto: Roswitha Geisler

„SÝN IV“ von Æsa Bjørk / © Foto: Roswitha Geisler

Auf ihrer website erklärt sie: „Das Material Glas mit seinen inhärenten Qualitäten von Zerbrechlichkeit und Festigkeit sowie seiner Fähigkeit, Innen und Außen mit den vielen Schichten dazwischen gegenüberzustellen, war daher ein Material, mit dem ich die Arbeit besonders interessant fand.“ (Zitatende)

Ja, es gibt so Ausstellungen, da wünscht man sich eigentlich noch einen weiteren Raum und noch einen, weil die Werke in dieser speziellen Zusammenstellung eine besondere Kraft entfalten und man schon beim Reingehen eine erwartungsvolle Spannung verspürt.
Für mich war dies eine nachdenkenswerte Reise durch die Gedankenwelt nordischer Künstler und Künstlerinnen, die einen Nerv treffen, weil sie so manches Mal verwirren, mit irrealen Details zum Nachdenken anregen und Sichtweisen infrage stellen.