Da sitze ich also auf meinem sonnenbeschienenen Balkon und zeichne in mein Skizzenbuch. Dieses und jenes. Beschreibe eine Seite nach der anderen, mit diesem und jenem. Die Seiten davor und die Skizzenbücher davor zeigen es mir an, dieses Spiel, das nie zu gewinnen ist. Kein Heute ist mit dem Gestern zu füllen.

Manchmal. Könnte man es ja auch anders machen. Seine Geschichte anders erzählen. Denn das ist es doch, alles ist Geschichtenerzählen. Ach, weißt du noch? War das nicht schön? Ja, ich weiß es, aber ich weiß es anders, und das war auch schön. So sind die Menschen, sie erzählen Geschichten. Das ist, weil wir noch wach genug sind, weil wir noch zucken, wenn uns etwas berührt. Und weil nicht überall Hornhaut ist, wo man sie vermuten könnte.

Manchmal. Ist es besser, etwas geschehen zu lassen und zu merken: nein. Denn man muss aufpassen auf seine Geschichte. Allzu schnell geht sie verloren, ist plötzlich nicht mehr da. Die Figuren spielen nicht mehr mit, die Musik hört auf zu spielen, die Hauptfigur hat längst die Handlung abgegeben. Ja, man muss aufpassen auf seine Geschichte. Sonst ist man irgendwann nur noch Statist im Leben anderer. Und leere Tage haben keine Erinnerung. Haben keine Geschichten. Skizzenbücher bleiben leer, vergilben, zerstäuben.  Also nehme ich den Bleistift und male die Linien, lege dazu die Worte auf das Papier, setze schwelgerisch Farben hinzu und sortiere, denn es ist einfacher, sich einen Anlass zu nehmen, als permanent Acht zu geben und aufzupassen, dass die eigene Geschichte einem nicht wegrutscht, jedenfalls nicht so, dass man sie nicht mehr zu fassen bekommt. Vielleicht lese ich das, was ich heute schreibe, später noch einmal. Wenn ich wieder in meiner Geschichte blättere und mich frage: Weisst du noch? Vielleicht sitze ich dann auch auf einem sonnenbeschienenen Balkon. Irgendwann. In einem anderen Jahr. Ob hier oder woanders.

Bühne….äh, Arbeitstisch frei für meine neuen Pastellfarben !! 30 Stück feinste und extra weiche Farben habe ich nun zur Verfügung, so zart wie Samt und Seide. Sie versetzen mich in höchste Begeisterung!
Natürlich kann ich mir davon nicht gleich das ganze Sortiment leisten, welches immerhin 400 Farbtöne umfasst, aber mit dieser vergleichsweise kleinen Auswahl im Pappschuber bin ich sehr zufrieden – denn Askese ist das damit ja noch lange nicht.

Es sei gestanden, dass ich beim Ausprobieren, bzw. beim Anfertigen einer Farbkarte ( siehe rechts im Bild), so wie ich das bei neuen Farben immer mache, schwer begeistert war.
Welch ein Gegensatz zu der Billigware, die immer wieder mal für wenige Euro z.B. im Discounter verkauft wird, und die ich zugegebenermaßen auch schon des öfteren ausprobierte.
Meist schlechten Gewissens, denn oft genug wird der „günstige“ Preis von der Umwelt gezahlt, sowie von denjenigen, die die Ware in Fernost produzieren und sie womöglich mit chemischen Elementen, Lösemitteln und Schwermetallen versehen.

Es könnte also sehr gut sein, dass ich dieses wunderbare Set so nach und nach mit weiteren Tönen dieser fantastischen Rundstifte eweitern werde, z.B. mit Zirkoncoelinblau, Schieferviolett und Eglantinerosa.
Ach was, das könnte nicht nur sein, das wird es!
Ganz bestimmt…….

Notiz- und Skizzenbücher habe ich eine Menge. Große, kleine, breite, schmale, welche mit dickem oder dünnem Papier, mit Unterteilungen oder blanko. Am liebsten trage ich aber nach wie vor ein schönes Moleskine-Skizzenbuch (zur Großansicht bitte auf das Bild klicken) mit mir herum, mit cremefarbenen, karierten Blättern, schwarzem Pappdeckel und elastischem Gummiband, mit dem man es verschließen kann. Obwohl, Notizbücher von Moleskine soll es mittlerweile in vielen verschiedenen Varianten geben. Ich hörte sogar von Extra-Small-Varianten für Menschen, die gerne mit ganz kleinen Buchstaben schreiben. Wie manch einer weiß, stellte ich vor kurzem hier ( klick ) , einige meiner Notizbücher vor, in denen man eine Menge Skizzen, alltägliche Eindrücke, emotionale Verbindungen oder Farben, Anmerkungen, Kritzeleien und Ideen entdecken kann, bevor diese zu Bildern oder vielleicht auch zu Geschichten werden. Nämlich dann, wenn sich die  Essenz dieser Aufzeichnungen in meinen Hirnwindungen kondensiert hat. Später vielleicht. Eventuell. Oder auch gleich. Die meisten von  ihnen werden jedoch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag nichts als Momentaufnahmen bleiben, die ich versucht habe, auf diesen karierten Blättern festzuhalten und in denen ich z.B.  in Stunden der Besinnung ab und zu herum stöbere.  Und dabei oft genug feststelle, dass vieles, auch so manche Gedanken, ein ums andere Mal im Alltagsmatsch versunken sind. Eigentlich müsste man viel mehr von ihnen retten. Aufschreiben, skizzieren, mitteilen, noch mal denken. Oh ja. Nicht nur einmal ist es mir passiert, dass ich bei manchen Eintragungen auch nach Jahren noch für einen kurzen Moment innehalte und denke: „Huch.“  Und: „Wow.“

Nur muss man ab und zu daran erinnert werden.

In meinen großen und kleinen Skizzenbüchern sammele ich Eindrücke und Beobachtungen.
Ein handliches Skizzenbuch, ca. DIN A5 groß, steckt in der Regel immer in irgendeiner meiner Taschen, so dass ich da hinein alles mögliche zeichnen kann, was mir den Weg kreuzt.
Ab und zu skizziere ich auch nur bestimmte Strukturen und Formen oder Ornamente, um mit ihnen vertraut zu werden.
Oft schreibe ich dabei meine Gedanken, besondere Farben oder Farbzusammenstellungen, Begebenheiten oder auch Adressen dazu.
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Habe ich eigentlich schon ein Loblied auf Pastellkreiden gesungen? Ja oder ja?
Nicht nur, dass Pastellkreiden ausgesprochen vielseitige Zeicheninstrumente sind, weil man mit ihnen ein breites Spektrum verschiedenster Linien und Flächen aufbauen kann, sondern weil man mit ihnen auch jeden noch so knallroten Tomatenfleck oder sanft säuselnden lichtblauen Himmel erzeugen kann.
Und weil man sich mit ihnen ganz ohne Probleme trauen kann, auf einem leeren Blatt  einfach mal so mit dem Malen anzufangen.
Oder zumindest mit dem ein oder anderen Versuch desselben.
Denn dadurch, dass Pastellkreide sowohl zum Zeichnen wie auch zum Malen geeignet ist, finde ich  sie geradezu ideal für Portraits und die Figurenmalerei, so wie ich sie liebe.

Hier in diesem Auftrags-Doppelbildnis habe ich sowohl die weiche Vermalung und Verwischung der Farben gewählt, als auch eine etwas expressivere Strichführung, wie sie z.B. bei den Haaren zu sehen ist. Alle Malutensilien, die ich für dieses Bild benutzt habe, habe ich jetzt mal um das Portrait herum drapiert.
Es sind gar nicht so viele, nämlich zuerst einmal ein paar schon ziemlich runtergerockte Pastells, dazu diverse Farbstifte und Graphitstifte in verschiedenen Härtegraden.
Dann sieht man noch Rötelkreide, einen weißen Pastell-Stift und Zeichenkohle-Stifte.

Überhaupt der weiße Pastell- Stift … erinnerungstechnisch lande ich jedes Mal mit ihm in einem verregneten Gartenhaus-Urlaub.
Zusammen mit einem Zeichenblock mit schwarzen Blättern und einem Kassettenrecorder, in dem eine 90-Minuten Kassette läuft.
Immer wieder.
Aber das erzähle ich vielleicht ein anderes Mal.

Da ich nicht so viel Platz in meiner Wohnung habe, geschweige denn ein weitläufiges Atelier mein eigen nennen darf, entstehen meine Bilder und Portraits an meinem großen, alten Kulissentisch.
Gut, er ist nicht mehr der Jüngste, trägt so ungefähr hundertdreißig Jahre auf dem Buckel, bzw. der Tischplatte, aber egal.
Jedenfalls ist darauf genug Platz, um  während des Skizzierens, Entwerfens,  Planens und Umsetzens in immer wieder neue, spannende Abenteuer abtauchen zu können und dabei ein kleines Stückchen Paradies zu finden, während sich die Welt draußen weiter dreht.
Im Verlauf des teils langsamen Prozesses der Annäherung an das Motiv sitze ich voller Tatendrang auf  einem Armlehnstuhl aus den 20er Jahren.
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