Wer meine Arbeiten kennt, der weiß, dass ich mich immer mit einer besonderen Hingabe auf Portraits „stürze“,  weil sie mir einfach am meisten Spaß machen.  Wenn man dann noch einen echten Typen wie James Harman zeichnen kann, ist das einfach nur Spaß pur.  Seit mehr als 40 Jahren nämlich bereichert James Harman als Sänger,  Harmonikavirtuose und Bandleader das Bluesgeschehen.  Stets zeigt er sich musikalisch traditionsbewusst, ohne dabei in Retro-Klischees zu verfallen, und somit gehört er meiner bescheidenen Meinung nach zu den besten weißen Mundharmonikaspielern überhaupt.  Da ich vor einiger Zeit die große Freude und das Vergnügen hatte,  seinen traditionellen Blues,  der wie immer sehr originell und unterhaltsam war,  live zu erleben,  stand James Harman schon seit längerem auf meiner „Portrait-Liste“.

Anfügen möchte ich hier noch, dass ich bei dieser Zeichnung nach einigen Fotos des von mir sehr geschätzten Konzertfotografen Volker Fröhmer gearbeitet habe.  Aber während das Bildnis an sich gut und zügig zu erarbeiten war, kam mir zuerst keine Idee,  wie ich den Hintergrund am besten gestalten könnte.  Er sollte das „Insichversunkene“,  Selbstvergessene und in gewisser Weise „Entrückte“  des Musikers zeigen,  der mit geschlossenen Augen, in der linken Hand die Harmonica, seinen Song vorträgt.  Die Idee kam dann ganz plötzlich  in meinem Büro, als ich während eines Telefonats wie immer auf meiner Schreibtischunterlage herumkritzelte: Blätter, Wellen, Kreise und Kringel entstanden da und ergaben ein tranceartiges Muster.  Mir fiel ein, dass es ein ähnlich ins Auge fallendes, großzügiges Blattmuster auch auf dem Hemd des Herrn Harman zu sehen gibt und somit hatte ich große Lust, analog zu meinen Telefon-Kritzeleien den Hintergrund auszuarbeiten.

Gezeichnet ist dieses Portrait ( zur Großansicht bitte auf das Bild klicken)  mit Pastellstiften, Pastellkreide, Graphitstift und Tinte, dazu habe ich ein zartgraues Passepartout und einen breiten, tiefdunkelblauen Rahmen ausgesucht.

Und wer sich jetzt gern das von mir gezeichnete Portrait eines anderen großartigen Harpspielers anschauen möchte, nämlich das von Charlie Musselwhite, der kann dann mal hier klicken (…klick…)

 

Charlie Musselwhite, den “Grand Old Man” des Blues, lernte ich in Köln während eines Interviews für einen Radiosender kennen. Ja, natürlich war ich vorher etwas nervös, denn einem der großartigsten und weltbesten Blues-Harmonica Spielern gegenüber zu sitzen, der 14 W.C. Handy Awards und 6 Grammy Nominierungen erhielt, ist schon etwas Außergewöhnliches. Als ich ihn fragte, ob ich ihn portraitieren dürfe, schaute er zunächst überrascht, sagte dann aber freudig und auch neugierig zu.
(mehr …)

Stacie Collins & Band sind bis jetzt eine meiner Entdeckungen des Jahres. Wobei das Possessivpronomen da eigentlich nichts verloren hat, denn diese Entdeckung habe ich meinem alten Freund V. zu verdanken, der die drei CD`s der Dame aus Nashville schon seit langem in seinem Regal stehen hat. Whatever – diese Band bereitet uns also an einem der ersten Frühlingstage auch nach Verschwinden der zaghaften Sonne ein Highlight, nämlich eine knackige Mischung aus Blues- (Boogie) -Rock mit einer Prise Country. Und das wieder mal im „Spirit of 66“ in Verviers.

Dass Stacie, die Ehefrau des „Jason & The Scorchers“-Bassisten Al Collins, der hier neben ihr auf der Bühne steht, Bock auf Rock & Roll hat und die Hütte anzünden wird, ist gleich von Beginn an nicht zu überhören und auch nicht zu übersehen. Schon nach dem krachenden Opener „It Ain`t Love“ wirft sie das durchgeknöpfte knielange Kleid von sich und erfreut die zahlreich erschienenen Herren in den ersten Reihen mit einer knappen Jeansshorts, hohen schwarzen Stiefeln und schwarzem Spitzenoberteil. Wobei Stacie Collins beileibe nicht so ein Modepüppchen der neuen Blues- und Nashville- Generation ist. Nein, hier ist alles bodenständig, der Stetson auf ihrem Haupt hat schon bessere Zeiten gesehen und die bluesige Harp bläst immer wieder zum Angriff. Und wenn die Mundharmonica mal nicht so richtig will, wird sie mit Schwung in die Ecke geworfen: “Damned!“ Die Füße stehen nie still, da wird gestampft, gerockt, gehüpft und gesprungen. Dass dabei auch mal der Mikrofonständer zu Bruch geht und eilig repariert werden muss, ist egal. Y.E.A.H! Auch Adam Abrashoff an den Drums sitzt irgendwann nur noch im Feinripp-Unterhemd hinter seinem Schlagwerk, wobei ich gar nicht mitbekommen habe, wann er sich seiner Oberbekleidung entledigt hat. (mehr …)