Rollingstonespsych2halbNoch einmal die Rolling Stones.  Denn wieder sind die „alten Herren“ auf ihrer „Jetzt-aber-wirklich-allerletzten-Tour“. „14 ON FIRE“ ist sie betitelt.
Und dann? Ziehen sie sich ins Rentnerdasein zurück? Niemand weiß das.
Ich persönlich weiß nur, dass ich schon mehrere ihrer definitiv letzten Abschiedskonzerte besucht habe. 1982 etwa, mit einem Stehplatz Ticket in Zungenform. Oder 1990 gleich zweimal mit dem „Wolfsticket“.
Und dann jedes Mal, wenn sie in Good Old Germany die Bühnen rockten. Mick in knallengen Hosen herumhüpfend, Charlie wie immer stoisch und minimalistisch die drums bedienend, und Keith mit kunstgerecht zerknittertem Gesicht, aber „Still Alive And Well.“
Und Ronnie Wood? Ja, der ist ja seit fast 40 Jahren Gastmusiker bei den Stones. Zum Glück.
Sollte nicht ihr aller-aller-allerletzter Auftritt im Juni 2013 beim legendären Glastonbury Festival in England stattgefunden haben?
Und jetzt? Ja, jetzt sind The Rolling Stones Headliner des weltberühmten Roskilde-Festivals 2014. Und die beiden Konzerte in Deutschland, in Berlin und in Düsseldorf waren binnen weniger Minuten ausverkauft.
Dafür jetzt noch einmal ein Bild von den ganz jungen Stones, gezeichnet von mir. Als Dank für x-Jahre tolle Musik.
It’s only Rock ’n’ Roll, but I like it.
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Ein weiteres Stones-Portrait gibt es hier bei mir zu sehen: Paint It Black

 

Gregghalb
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Der S.,  mit dem wir verabredet sind, lehnt am Schaufenster des Plattenladens.
Links vom Eingang ist das Glas teilweise mit weißem Klebeband verklebt.
Es sieht aus, als hätte jemand versucht, die Scheibe einzutreten.  Das Muster der weißen Sprünge im Glas erinnert an ein Spinnennetz.

Ich registriere, dass der S. eine etwas zu enge Lederjacke trägt, darunter einen Kapuzenpullover, schwarze Jeans und ebenso schwarze Doc-Martens-Stiefel.
Der athletische, schlanke Körper hätte auf ein Alter von etwa Anfang dreißig schließen lassen, doch die rot unterlaufenen Augen mit den hervortretenden Tränensäcken bestätigen eher die Richtung fünfzig – was meines Wissens stimmt.
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Rollingstonesquadrathalb

Die größte Rockband der Welt feiert zur Zeit ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum.  Manch einer fragt sich, ob die „alten Herren“ das noch nötig haben und ob sie nicht endlich kürzer treten sollten.  Doch diese Herren denken gar nicht daran.  Ich erinnere mich noch sehr gut an die erste Single-Schallplatte, die ich mir von Mick, Keith, Brian, Charlie und Bill kaufte – es war „Play With Fire“.  Ihre Platten habe ich im Laufe der Jahrzehnte gefühlte eine Million mal gehört und ich habe zig ihrer Konzerte besucht.  Das alles ist für mich jetzt ein Grund, den Stones zu ihrem Jubiläum eine meiner Zeichnungen zu widmen.

Auf diesem Portrait sind sie jung, sehr jung und wie man sieht, ist hier auch noch der blonde Brian Jones dabei. Das Bild habe ich „Paint It Black“ genannt und es mit schwarzer Tinte und meinem alten Mont Blanc Füllfederhalter gezeichnet.  Um die Schatten, z.B. in den Gesichtern und der Kleidung, zu definieren, habe ich die Tinte per Pinsel mit Wasser vermischt.  Der stilisierte Baum im Hintergrund zeigt ein psychedelisches „Blattwerk“.  Dieses soll ebenfalls auf das Lied „Paint it Black“ hindeuten, in dem Brian Jones auf der Sitar spielt.  Nun, mittlerweile sind die Rolling Stones zwar ein bisschen verwittert, aber sie sind immer noch da und wie mir scheint, eisern entschlossen, ihren Stiefel durchzuziehen.  Wie heißt es doch so schön: „It’s only rock ’n’ roll, but I like it.“  Ja, genau so ist es.

Das Bild auf Büttenpapier ist 30 x 30cm groß, bekam ein weißes Passepartout und einen weißen Rahmen.  Copyright R.Geisler.

Jeder, der mich auch nur ein klitzekleines bisschen kennt, weiß, dass ich zu denen gehöre, die sogar in der heutigen Zeit noch gerne Karten und Briefe schreiben. Und darum werde ich auch in diesem Jahr wieder handschriftliche Grüße an nette Menschen verschicken.

War es im letzten Jahr meine Zeichnung des jungen Bob Dylan, die auf Postkarten in die Welt gesandt wurde, so habe ich für dieses Jahr eines meiner Portraits von Jimi Hendrix ausgesucht.  Denn Jimi gehört zu meinen liebsten „Lieblingsmotiven“, wie man es z.B. in meinem Portfolio sehen kann.

Und so werde ich dann eine Weile hier am Tisch sitzen, im Adressbuch blättern und schreiben, nichts anderes tun, keinen Anruf entgegen nehmen, nichts tippen, nur Musik hören, Zimttee trinken und schreiben.

Übrigens, wer gern eine dieser Karten hätte und nicht in meinem Adressbuch steht, kann sich gerne bei mir melden!

Janis Joplin war eine der schillerndsten Figuren der Beatnik-Area und Ikone der damals neuen Subkultur der Hippies. Das sage ich jetzt mal ganz objektiv und sachlich. Einst ein behütetes Wohlstandskind aus einer kleinbürgerlichen Kleinstadt in Texas, lebte sie nach dem Motto »Live Fast, Love Hard, Die Young«.  Leider erfüllte sich dieser Spruch, denn mit 27 Jahren war ihr kurzes, wildes Leben bereits zu Ende.  Wie sagte Eric Burdon einmal?  „Janis starb nicht an einer Überdosis Heroin.  Sie starb an einer Überdosis Janis“.  Mit dem genialen und einzigartigen Stil ihres weißen Blues ist sie bis heute eine unvergessene Legende.  Klar, dass auch einige ihrer Original-Schallplatten in meinem Vinyl-Regal stehen und bei speziellen Gelegenheiten ( z.B. wenn man mal wieder in Erinnerungen schwelgen möchte)  hervorgeholt werden.  Wenn man dann zuhört, die Augen offen, das Herz offen, aber unaufgeregt, alles weit, dann sind sie am schönsten,  diese Songs. Das Gänsehaut erzeugende und das Herz ergreifende „Piece of my Heart“ aus dem Album „I Got Dem Ol‘ Kozmic Blues Again Mama!“ steht ohne Frage auf der persönlichen Liste meiner Lieblingssongs aller Zeiten.  Auf dem Soundtrack meines Lebens sozusagen.

Für diese beiden Portraits von Janis ließ ich mich von einigen meiner Schallplattencover inspirieren, die ich auf dem Fußboden verteilte.  Denn zum Zeichnen brauche ich zuerst Inspiration und danach Konzentration, wobei die Gewichtung jeweils differiert.  Tja.  Und dann stand ich vor der Frage:  Wie?  In welchem Stil, mit welchem Ausdruck und in welchen Farben zeichne ich ein Bildnis dieser großartigen Frau? Und da ich mich nicht entscheiden konnte, gibt es hier jetzt zwei Portraits zu sehen.  Sie sind etwas unterschiedlich in Stil und Aussage und auch jeweils mit anderen Materialien gezeichnet. Das erste entstand mit Tuschefeder und verdünnten Deckfarben, das zweite mit Pastellkreiden und Tuschefeder.  Als Untergrund suchte ich zartgraues und hellockerfarbenes Büttenpapier von Hahnemühle aus.  Und wer jetzt mit dem Mauszeiger auf die Bilder geht und klickt, bekommt davon eine Großansicht.

„Wish You Were Here….“ – ich bin überzeugt davon, dass jeder diesen Song kennt und ihn augenblicklich mitsingen oder zumindest mitsummen kann. Natürlich haben die Herren Waters und Gilmour nicht nur diesen phantastischen Song geschrieben, sondern auch solche Stücke wie „Shine On You Crazy Diamond“, „Fat Old Sun“, „The Happiest Days Of Our Lives“ oder „Alan’s Psychedelic Breakfast“.

Einige Vinyl-Longplayer der „Pink Floyd“ stehen schon seit Jahren, nein, seit Jahrzehnten in meinem Plattenregal und darum hatte ich schon seit längerem die Idee, der Band mittels Farbe und Pinsel meine ganz persönliche Dankbarkeit für viele schöne, musikalische Stunden, Tage und Konzerte zu erweisen. Zudem ich den Gig aus dem Jahre 2002 – oje…schon so lange her – in der Lanxess Arena Köln noch in allerbester Erinnerung habe. Denn das war einer dieser Tage, an denen man in aller Ruhe barfuß durch das im Licht schimmernde Gras des Rheinufers schlendern konnte, ohne dabei in ein einziges Hundehäufchen getreten zu haben. Tage, die voller zuversichtlicher Leichtigkeit und positiver Grundstimmung ein wunderbares Zutrauen in das Leben geben.

Also suchte ich für den Hintergrund dieses Bandportraits grasgrüne und sonnengelbe Aquarellfarben aus, dazu ein klein wenig Ocker und Braun, und zeichnete anschliessend mit der Tuschefeder Gräser, Wolken, Blätter, Wellen und Wolken darauf. Die Herren der Band sind ebenfalls mit Tuschefeder und Aquarellpinsel gemalt. Mir schwebte von Anfang an vor, die Jungs in ihren noch jungen Jahren, eben aus der „Wish You Were Here“-Zeit, darzustellen.  Also blätterte und las ich tagelang in alten Songbüchern, Tourbooks und Plattenhüllen, legte dazu die eine oder andere ihrer Schallplatten auf, bis ich schliesslich fündig wurde.

Ja, und nun ist das Bild fertig – es ist 40 x 50cm groß, hat ein mattweißes Passepartout und dazu einen weißen Holzrahmen. Übrigens: wenn man auf die Bilder klickt, erhält man eine Grossansicht.

Ein asphaltierter Weg windet sich um die große Kastanie herum und führt dann in einer langen Geraden über den gepflasterten Hof, auf dem nebeneinander zwei dreistöckige verglaste Betongebäude stehen. Die grauen Wände sind in rosa Dämmerlicht getaucht. Als ich um die Ecke biege, geht die Sonne genau zwischen zwei Treppenaufgängen unter, eine kleine, helle Orange.  Der Besitzer des Musik-Cafes steht in der Tür. Er ist ein großer Mann um die fünfzig mit stechendem Blick und kurz geschorenem, grau meliertem Haar. Über seinen Nacken zieht sich eine lange Narbe. Es geht das Gerücht, er sei bei der Fremdenlegion gewesen. Als Kellner fungieren zwei Studenten. Wer diese Studenten sind, weiß niemand so genau. Sie tragen die langen Haare im Nacken zusammengebunden und saubere rote Schürzen bis über die Knie. Der eine ist schön und groß, der andere klein, dicklich und blass. Ich setze mich dicht an die provisorische Bühne, um bei einem Glas kalifornischen Merlot den Auftritt der dreiköpfigen Band zu genießen. Und im ersten Moment denke ich, wie es wäre, wenn sie jetzt „You’ll Never Leave Harlan Alive“ vortragen würden und dann denke ich, du bist doch bescheuert, das wäre ja ein Zufall, und wer rechnet denn schon mit Zufällen? Und im Moment nach dem ersten Moment habe ich verstanden, wieso und weshalb gerade das jetzt passen würde und mir in den Sinn kam, und dass nur das eigentlich das Ziel sein kann, zu wissen, woher gerade dieses Gefühl kommt, dieser Wunsch.

Die Gedanken entwirren sich ganz von allein und der schöne Kellner trägt Baguette und Oliven zu dem Nebentisch, auf den die untergehende Sonne eine rote Linie legt, die Jungs der Band nehmen auf ihren orange beleuchteten Stühlen Platz, vor den Palmen, den Spiegeln und im Klirren der Gläser, und die Musik schabt alle Behäbigkeit und alle Alltäglichkeit von mir ab und alles macht Sinn, ganz viel Sinn und ich glaube jetzt mehr denn je zu wissen – nein, nicht wie die Dinge sein werden, aber wie sie waren.