Yoga2halb
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Nein, die Mutter der E. sieht ganz und gar nicht wie über siebzig aus. Eher wie die Gesundheit in Person. Kurz und sehnig, mit einer großen Menge schulterlangen, grauweißen Haares, und mit einem Paar Augen in dem grob geschnittenen Gesicht, die sie von einer Vierzehnjährigen gestohlen zu haben scheint.
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3029halb
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Ein Schild an dem Geländer verkündet, dass wir uns in 3.029 m Höhe befinden. Die Sonne scheint auf schneebedeckte Flächen und porzellanweiße Berge.
Ich schiebe mir einen Riegel Schokolade in den Mund und zerkaue ihn langsam, während ich einer Böe nachschaue, die über den kahlen Abhang streicht und den lockeren Schnee aufwirbelt.
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Hüttehalb
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Die Hütte passt sich so gut dem Gelände an, dass wir sie ohne die Hilfe des Bergführers nicht gefunden hätten. Sie klebt oben an der windgeschützten Ostseite des Gebirges, oberhalb der Baumzone.
Eine Frau in Thermohose und kariertem Herrenhemd steht auf der Terrasse, die Fäuste in die Seiten gestemmt. „Ihr seid früh dran…,“ sagt sie, „kommt herein.“
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Bergehalb
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Er ist ohne Frage der perfekte Bergführer, oder wie man neuerdings sagt, „Ranger“. Mittelgroß, dichtes graues Haar und säuberlich getrimmter Schnauzer. Seine Augen sind von einem besonders stählernen Blau. Über seine Gesichtshaut zieht sich ein Netz von geplatzten Äderchen, und sein Bauch verrät eine Schwäche für Karreespeck und Gösser Bier.
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Märzhalb
Ich nippe an meinem Weinglas und betrachte die Reste der Mahlzeit, die uns in den letzten beiden Stunden beschäftigt hat. Gerade hat die E. ein paar Kerzen geholt, die übrig geblieben sind von Weihnachten, und deren flackernde Flammen jetzt einen unruhigen Schein auf den Tisch werfen.  Im Hintergrund läuft „Liquid Acrobat As Regards The Air“.
Wieder haben wir uns über Filme unterhalten, denn wir schauen uns gerne Filme an, klar. Und das am liebsten im Kino.  Auch klar.
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Steine2halb
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Sie kommen durch den kurzen Flur direkt in das Wohn-Arbeitszimmer, er uralt und gebrechlich, sie klein und stämmig, mit spitzer Höckernase und neugierigem Blick, den sie über uns gleiten lässt.
Die Frau scheint Ende sechzig zu sein. Sie trägt hohe schwarze Lederstiefel und einen dicken braunen Wintermantel, der bis an die Stiefel herunterhängt, so dass sie aussieht wie eine kleine Glocke mit einem langen Klöppel.
Sie schiebt den Rollstuhl geschickt vor sich her.
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Steine
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Die grauweißen Haare des Mannes sind über der hohen Stirn zur Seite gekämmt und er trägt einen Schlips unter der grauen Strickweste.
Seine Augen sind noch immer jung, obwohl sein Gesicht ansonsten so aussieht, als hätte es nicht nur den einen Weltkrieg erlebt. Sein Händedruck ist fest und warm.
„Ich habe gerade Kaffee gekocht,“ sagt er.
Wir gehen in ein winziges Wohnzimmer, das wie ein Arbeitszimmer eingerichtet ist. Auf dem Tisch steht ein angejahrter  Dell-Laptop, daneben liegt eine große Lupe. Überall häufen sich Papiere.  Auf dem Schränkchen und an der Wand entlang stapeln sich Zeitschriften und Bücher. Gesteinsbrocken in allen Größen und Farben liegen auf der Fensterbank.
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