Wer hat eigentlich erzählt,  Grüße per Postkarte wären unnötig, uncool, unliterarisch oder sonst irgendwie entbehrlich und besser nicht da?  Hallo?  Sind sie nihicht!

Denn ab heute werde ich Neujahrsgrüße verschicken.  Motiv ist in diesem Jahr meine Zeichnung des jungen Bob Dylan, deren Entstehungsweise ich hier (… klick…) näher beschrieben habe.  „Die Zeiten, sie ändern sich“,  so lautet der Text auf der Karte in deutsch, englisch, spanisch und kroatisch – ja, weil ich nämlich ein paar kroatische Wurzeln großväterlicherseits habe.  Und dann ist „The Times They Are A`Changing…“  sowieso seit ewigen Zeiten einer meiner Lieblingssongs, und so seltsam es ist,  so weh es manchmal tut,  so unvorhersehbar es ist,  es ist so schön,  das Leben,  nicht nur in diesen Tagen.

Übrigens, wer gern eine dieser Karten hätte und nicht in meinem Adressbuch steht, kann sich gerne bei mir melden!

Oha….wer hier schon eine gewisse Zeit lang mitliest, der staunt jetzt, denn der- oder diejenige weiß natürlich, dass ich hier schon mehrere meiner Portraits von Bob Dylan besprochen und erläutert habe. Also noch eines? Ja, noch eines.

Bei diesem Portrait ( zur Großansicht bitte auf das Bild klicken) habe ich, bevor ich mit der Ausarbeitung des eigentlichen Bildnisses begann, vorab schon mal eine teilweise Untermalung aus Aquarellfarben auf einem leicht rauen Aquarellpapier angelegt. Nachdem ich dies nämlich einmal vor vielen Jahren bei einem Amsterdamer Maler beobachtete, den ich  in seinem chaotischen Atelier besuchen durfte, mache ich das  des öfteren so, denn ich halte dies für eine definitiv gute Idee. Wie man sieht, ist diese Untermalung hier nicht ganzformatig aufgetragen, sondern ich habe damit für das Bild, bzw. den hinteren Breich desselben, wichtige Farben und Formen des Motivs vorgegeben, so wie ich sie für den unrealen Hintergrund passend halte. Der Vorteil einer mehrfarbigen Untermalung ist, dass dadurch bereits verschiedene Farbflächen vorgegeben sind und somit später nicht mehr so viele einzelne Schichten aufgetragen werden müssen. Auch die Farbkomposition ist dann bereits stimmig angelegt. Hier sind zum Beispiel stilisierte Häuser mit Graphit und Kohle, ein Baum und seine verzweigten Äste mit Tinte (ja, auch die gehört zu meinen Zeichen-Utensilien), ein Textfragment mit Graphitkreide und die Räder mit Farbstift und Tinte über der Untermalung platziert. Auf diese Art und Weise entsteht eine assoziative Gedankenwelt, eine Versuchsanordnung, deren Gestaltung die Bildidee, einen der einflussreichsten Musiker (und auch Dichter und Maler) des 20. Jahrhunderts zu portraitieren, ausmacht.

Ach ja, bei dieser Gelegenheit möchte ich jetzt mal nicht nur Bob Dylan, sondern all jenen Menschen danken, die nach wie vor ihre Zeit und Kreativität verschwenden, Dichten, Musizieren, Malen, Schreiben, Philosophieren und sich anderer Leute Köpfe zerbrechen und unsere Horizonte erweitern.

Dieses Bob Dylan`s Porträt ist 50 x 70 cm groß, hat ein helles, strukturiertes Passepartout und wird vervollständigt mit einem schmalen schwarzen Rahmen. Und wer sich gern noch weitere meiner Porträt`s von Bob Dylan anschauen möchte, der kann dann bitte mal ganz oben auf die Registerkarte „Portfolio“ klicken. Oder wer dazu mal die jeweiligen Erläuterungen meiner Vorgehensweise, bzw. Maltechnik lesen möchte, der kann dann mal hier klicken ( klick*) oder hier ( klick *) oder hier ( klick*).

Einer meiner liebsten Songs von Bob Dylan ist seit jeher „My Back Pages“. Dieser Song entstand 1964 und hat meiner bescheidenen Meinung nach bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Jedes Jahr an meinem Geburtstag im Januar sage ich mir: „Ah, but I was so much older then, I`m younger than that now….” Darum habe ich mir überlegt, dieses Portrait ( zur Großansicht bitte in das Bild klicken)  in eine ruhige und stille „Winterlandschaft“ zu setzen und auch nur ganz wenige sanfte und matte Farben zu verwenden.

Die besondere Atmosphäre in diesem Song mit einem Portrait des jungen Bob Dylan zusammen zu bringen, war für mich wieder einmal eine besonders verlockende Herausforderung. Zuerst habe ich meine Ideen hierzu in einige Skizzen umgesetzt, um die Person und die sie umgebenden Elemente sicher zu platzieren und die richtigen Proportionen zu finden. Man darf nicht vergessen, dass jedes Porträt schon gleich von Beginn an ein gewissenhaftes und systematisches Arbeiten erfordert. Dabei ist es wichtig, auch die Lage und Größe der Details zu beachten, hier z.B. das Muster des winterlichen, dicken Strickpullovers oder die blattlosen Zweige der Bäume, die gegen die dunkle Nacht leuchten. Ganz besonders lege ich auch immer Wert auf die farbige Darstellung der Haut, denn diese muss meiner Meinung nach so klar und frisch wie möglich sein. Man darf nicht den Fehler machen, die Farbe zu dick aufzutragen, denn dadurch wirkt die Haut schmutzig und fahl. Hier habe ich sehr feine und transparente Pastellkreide benutzt, die ein subtiles Reflektieren des darunter liegenden Papiers erlaubt, wodurch der Haut ein schöner Schimmer verliehen wird. So beginne ich immer mit einem ganz leichten und zarten Farbton, der dann schrittweise von etwas intensiveren Farben überlagert wird. Ich beobachte beim Zeichnen ständig den Eindruck und die Stimmung des gesamten Bildes, während ich überlege, welche Lichtstellen und hellen Bereiche so bleiben können, wie sie sind, und in welcher Intensität ich die dunkleren und dunkelsten Schattierungen gestalten möchte.

Bob Dylan`s Porträt ist 40 x 50 cm groß, hat ein helles, strukturiertes Passepartout und wird vervollständigt mit einem schmalen schwarzen Rahmen. Und wer sich jetzt gern noch weitere meiner Porträt`s von Bob Dylan anschauen möchte, der kann dann bitte mal ganz oben auf die Registerkarte „Portfolio“ klicken.

Bob Dylan Newport

Bob Dylan Newport

Bevor ich mich an ein ausgefeiltes Porträt begebe, mache ich zumeist schnelle Fünf-Minuten Skizzen, um erst einmal die Person und ihre Proportionen zu erfassen.
Denn der Körper wird weniger von seinen Konturen ( wie man vielleicht zuerst denkt ),  als vielmehr aus seinem inneren Aufbau her erfasst.
Ich beachte dabei immer die Körperachsen, die Gelenke und die Richtungen der Glieder.
Das habe ich lange geübt und übe es immer noch, indem ich aufmerksam beobachte, wie Menschen gehen, sitzen, stehen und mir gleichzeitig dabei versuche vorzustellen, wie die Knochen und Gelenke funktionieren.
Für dieses zügig gezeichnete Porträt von Bob Dylan habe ich Pastellkreiden in Weiß-, Schwarz- und Grautönen ( blaugrau, dunkelgrau, sepiagrau ) benutzt, dazu ein wenig Kobaltblau und einige Brauntöne ( ocker, siena gebrannt, siena natur, umbra ). 
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Vorlage dieses Porträts des jungen Bob Dylan ist ein Foto aus dem Jahr 1963, welches damals der bekannte Fotograf Jim Marshall schoss.
Ich entdeckte es in einem wunderbaren s/w Fotoband, der die frühen Jahre Bob Dylans in teils seltenen Fotos dokumentiert.

Für das Porträt benutzte ich einen Graphitstift in 6B, weil man damit sehr weiche Schattierungen erzielen kann.
Als Hintergrund zeichnete ich stilisierte Dahlienblüten, so wie sie im Garten meiner Eltern zuhauf und in vielen Farben zu finden sind, und durch deren Stängel gelb und warm die Sonne scheint.
Die Stängel sind hier allerdings nicht gezeichnet, sondern sie entstehen ganz einfach durch das Freilassen der Zwischenräume, wenn ich den Hintergrund mit Gelb ausfülle.
Das Gelb ist eine Mischung aus Chromgelb und Zitrone, vermalt mit Wasser.
Ein paar Schattierungen innerhalb nahm ich mit dem o.a. Graphitstift vor.
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