Konzerttagebuch


Prinzipiell hatte ich schon eine recht gute Vorstellung von dem, was mich erwarten würde, als ich mich auf den Weg zum Hamtorkrug in Neuss machte, einem Musik-Club mitten in der City, der regelmässige Live-Events anbietet. Dass es an diesem Abend etwas gemütlicher zugehen würde, stand aber außer Zweifel, denn da sich am Wochenende bereits schon mal kurz der Sommer blicken ließ, lockte das Wetter viele Menschen eher zu aushäusigen Aktivitäten.

Die Münsteraner Formation „Brute, Force & Ignorance“ ließ sich trotz der geringen Zuschauerzahl aber nicht davon abhalten, sogleich von Beginn an mit dem verdammt großartigen „Same Old Story“ Vollgas zu geben und gut zwei Stunden lang den Fuß nicht vom Gaspedal zu nehmen – auch wenn sich gleich beim dritten Song „Messin`With The Kid“ eine Saite der Gitarre jaulend verabschiedete. Benannt nach einem Titel auf dem „Photo-Finish“ Album von 1979 des leider viel zu früh verstorbenen, legendären Rory Gallagher spielen Marco Menzer (Schlagzeug), Markus Kerkeling (Gitarre/Gesang) und Stefan Lukassen (Bass) seit Januar 2007 zusammen. Eine kernige, die Ohren durchblasende, hochsympathische und liebenswerte Band ist das, die die Songs von Taste und Rory Gallagher unbekümmert, aber beileibe nicht beliebig aufspielt und mich damit jedesmal euphorisiert. (mehr …)

Stacie Collins & Band sind bis jetzt eine meiner Entdeckungen des Jahres. Wobei das Possessivpronomen da eigentlich nichts verloren hat, denn diese Entdeckung habe ich meinem alten Freund V. zu verdanken, der die drei CD`s der Dame aus Nashville schon seit langem in seinem Regal stehen hat. Whatever – diese Band bereitet uns also an einem der ersten Frühlingstage auch nach Verschwinden der zaghaften Sonne ein Highlight, nämlich eine knackige Mischung aus Blues- (Boogie) -Rock mit einer Prise Country. Und das wieder mal im „Spirit of 66“ in Verviers.

Dass Stacie, die Ehefrau des „Jason & The Scorchers“-Bassisten Al Collins, der hier neben ihr auf der Bühne steht, Bock auf Rock & Roll hat und die Hütte anzünden wird, ist gleich von Beginn an nicht zu überhören und auch nicht zu übersehen. Schon nach dem krachenden Opener „It Ain`t Love“ wirft sie das durchgeknöpfte knielange Kleid von sich und erfreut die zahlreich erschienenen Herren in den ersten Reihen mit einer knappen Jeansshorts, hohen schwarzen Stiefeln und schwarzem Spitzenoberteil. Wobei Stacie Collins beileibe nicht so ein Modepüppchen der neuen Blues- und Nashville- Generation ist. Nein, hier ist alles bodenständig, der Stetson auf ihrem Haupt hat schon bessere Zeiten gesehen und die bluesige Harp bläst immer wieder zum Angriff. Und wenn die Mundharmonica mal nicht so richtig will, wird sie mit Schwung in die Ecke geworfen: “Damned!“ Die Füße stehen nie still, da wird gestampft, gerockt, gehüpft und gesprungen. Dass dabei auch mal der Mikrofonständer zu Bruch geht und eilig repariert werden muss, ist egal. Y.E.A.H! Auch Adam Abrashoff an den Drums sitzt irgendwann nur noch im Feinripp-Unterhemd hinter seinem Schlagwerk, wobei ich gar nicht mitbekommen habe, wann er sich seiner Oberbekleidung entledigt hat. (mehr …)

Wow, was für ein Knaller!!! Oh ja, die Oli Brown Band hat im „Spirit of 66“  in Verviers ein tolles Konzert auf die Holzdielen gelegt, an das sich viele der Anwesenden, besonders sicherlich auch die vielen jungen und hübschen Mädels in den vordersten Reihen, vielleicht für lange Zeit erinnern werden.
– Das „Spirit of 66“ ist ein legendärer, sagenumwobener Ort, eine Location, die mir schon wunderbare Konzerte beschert hat. Unvergessen die Show der „Nine Below Zero“ vor über vier oder fünf Jahren. Der nicht mehr ganz so junge Gary McAvoy verausgabte sich bis aufs Letzte, stand zwischen den Songs nach Atem ringend in der rechten Ecke und peitschte die Fans in den ersten Reihen regelrecht auf. Großartig!
– Und heute nun Oli Brown, von dem es heißt, dass er der Fackelträger des britischen Blues im 21. Jahrhundert zu werden scheint (oder es schon ist). Im feinen Nadelstreifenzwirn, chicem, schwarzen Hemd und Westernboots aus blauem Eidechsenleder steht er auf den Planken, beginnt mit „I can`t stand The Rain“ und schüttelt seine Locken. Locken? Ja, seine Haare sind nicht mehr so lang und glatt wie gehabt, aber das ändert nichts daran, dass Oli und seine Kumpels, der großartige Drummer Wayne Proctor und der energiegeladene Basser Ronnie Sayer, nur so vor Spielfreude strotzen, dazu bestens aufgelegt sind, toll mit dem famos mitgehenden Publikum kommunizieren und einen großartigen Song nach dem anderen, wie z.B. „Speechless“ oder „Stone Cold“, raushauen. Druckvoll, saftig, ambitioniert, begeisternd. (mehr …)

„Go Music“ ist eine monatliche Konzertreihe, die es seit 15 Jahren (ja, wirklich) gibt und die zumeist in immer den gleichen Clubs in der gleichen Reihenfolge stattfindet. Der Organistor der Reihe, Martin Engelien, übernimmt jedes Mal die Bedienung des Bass`s.  Zusätzlich sind aber immer andere Kollegen dabei, nämlich solche, die zu den interessantesten Musikern der nationalen und internationalen Musikszene zählen. Auch diesmal wurde eine namhafte Besetzung zusammengestellt, die sich sogleich zu Beginn im „WineLive“ in Düsseldorf, einem Bistro mit Weinbar, in einem ausführlichen Instrumental vorstellte:

„Crazy“ Chris Kramer , der 2010 den Deutschen Blues-Award als bester Harp-Spieler erhielt, dazu am Schlagzeug ein  energiegeladener junger Mann aus Stuttgart namens Bene Neuner , sowie an der Gitarre Rocco Wiersch aus Dortmund, dessen musikalische Qualitäten ich schon seit längerem sehr schätze. Da auf der Einladungskarte ein Abend „unplugged“ angekündigt war, erwartete ich ein relativ ruhiges Konzert, bei dem man locker minutenlang vor sich hin träumen kann. Doch es kam etwas anders. (mehr …)

Ich weiß, dass der Zauber einer wundervollen Erinnerung an eine Band die Dinge oft verklärt und den Konzertbesucher ( z.B. mich) schon oft im voraus in übertriebene Entzückung verfallen lässt, aber der intensive und auf allerhöchstem Niveau präsentierte Soulblues des Tad Robinson und seiner vortrefflichen Band zeigt sich tatsächlich wieder mal schon in der ersten Bühnenminute.

Klasse Tad! Genau so wollen wir dich hören, so gehörst du zu den Besten! Tad Robinsons Stimme kann ich einfach nicht oft genug in meine Ohren lassen – sie ist unglaublich voluminös, warm, voller Soul und sowohl aus der Tiefe bis in die Höhen jeden Besucher und jede Besucherin, die sich auf den Weg zur Manege in Ratingen gemacht haben, überzeugend. Und selbst wenn Tad Robinson mit der Gesangsverstärkung in balladesken Gefilden unterwegs ist, kann man nur noch staunen, mit wie viel Emotionen der Soul mitten in das Herz fahren kann. Und zwar ganz ohne den sonst so oft gern reichlich genommenen klebrigen Zuckerguss. Aber nicht nur Tad Robinson alleine soll hier genannt werden, sondern auch alle seine Mitstreiter verdienen wieder einmal ein extra dickes Lob, denn die Band ( bestehend aus Alex Schultz (Gitarre), Kevin Anker (Keyboard), Steve Gomes (Bass), Robb Stuppka (Schlagzeug)),  spielt kompakt und perfekt wie aus einem Guss. (mehr …)

Ein Weltmusik-Festival? Ach-du-liebe-Güte. Nee…Weltmusik? Sag mal, ist das nicht Pan-Flöten-Terror, Didgeridoogebrumme und Windspielgeklingel? Und entrückte Mönchsgesänge zur Klangschalen-Kakophonie für meditierende Weltverbesserer oder indianische Trommelmusik im Ausdruckstanz-Seminar?

Ja, sicher, die Weltmusikschublade quietscht beim Öffnen immer ein bisschen, denn  ziemlich schwer wiegen die Vorurteile. Wer aber vorbehaltlos neugierig darin herumwühlt, findet schnell die neuen, spannenden Ausdrucksweisen derselben.

Und wenn, wie hier, auf dem größten Umsonst-und-draußen-Weltmusikfestival in Deutschland, dem mittlerweile 35. Barden-Festival in Nürnberg nicht nur monothematisches geboten wird, sondern der Besucher mit einem wunderbaren Reigen an faszinierenden, fluoresizierenden Musikwerken konfrontiert wird, so erweitert es den Fachgebiets-Horizont doch ungemein und verschönert das Leben allgemein. (mehr …)

Danny Bryant - "Blues for Buddy"

Danny Bryant - "Blues for Buddy"

Hoppla, jetzt hat es mich ja fast aus der 1. Reihe geweht und wer mich auch nur ein klitzekleines bisschen kennt, der weiß, dass ich konzertmäßig nicht wirklich leicht zu verwehen bin. Aber ich hatte es schon geahnt. Ja, es musste ja unbedingt ein weiteres Konzert der Danny Bryant`s Red-Eye Band sein, es musste ja unbedingt ein weiteres Mal die Möglichkeit ergriffen werden, von diesem brillanten Powerhouse Trio auf den Boden geblasen zu werden.  Meiner Erinnerung Tribut zollend, habe ich jetzt zum wiederholten Male, und nicht nur ich, sondern auch die (leider nur) knapp 100 Zuschauer im Saal Birgit in Viersen, einen Grund zu reichlicher Freude, und das zeigen wir mit einem tosenden Auftrittsapplaus, mit Johlen, Pfeifen und Trampeln als ein klares akustisches Signal.

Danny Bryant und seine Combo, bestehend aus Drummer Trevor Barr und Basser Ken Bryant, die beide spitzenmäßige Rhythmusarbeit leisten, sind umwerfend laut und gut, manchmal hart und voller Power, das andere Mal unglaublich gefühlvoll und sanft. Das Publikum im Saal ist beseelt, in einigen Songs auch ziemlich textsicher, yesss, das ist hier der ganz große Überschwang auf Zementboden und Bühnenbrettern, eine Hingabe, wie ich sie bei Danny Bryant schon oft erlebt habe. (mehr …)

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