Blues-Musik


„Könntest du wohl mal,“ sagte vor einiger Zeit Wolfgang Becker, Sänger und Gitarrist der Band „Schwarzbrenner“ zu mir, „ein Portrait von Georg Heym anfertigen und zwar im Kontext zu seinen Gedichten?“ Dazu muss ich sagen, dass die Ratinger Band „Schwarzbrenner“ seit vielen Jahren Lyrik des großartigen expressionistischen Dichters Georg Heym vertont. Eine Reihe beeindruckender CDs sind bereits veröffentlicht worden, auf denen es der Band sehr gut gelungen ist, über 100 Jahre alte Lyrik sowohl nachdrücklich rockig, als auch melancholisch bluesig in ein facettenreiches Hörerlebnis zu kombinieren.

„Klar, gern“, antwortete ich, machte mich mit Begeisterung an die Arbeit, suchte in alten Lyrik-Bänden nach Fotos des mit 24 Jahren verstorbenen Georg Heym und las fasziniert in seinen Gedichten. Fotos gibt es leider nur wenige von ihm, denn bereits im Jahre 1912 ertrank er beim Schlittschuhlaufen auf der Havel, als er seinem Freund Ernst Balcke das Leben retten wollte.  Als Vorlage wählte ich sodann ein Foto, auf dem er fast kindlich erscheint, mit schwermütigem Blick und akkurat gescheiteltem Haar, perfekt gekleidet in ein dunkles Sakko mit Krawatte.  Als Hintergrund inspirierte mich das Gedicht „Der Krieg“, in dem es in der 2. Strophe heißt: „In den Abendlärm der Städte fällt es weit // Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit. // Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis. // Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.“  Um diese düstere Stimmung zu unterstreichen, benutzte ich nur wenige Farben für das Portrait, nämlich Varianten von wolkigem grau und dazu schwarz,  ein klein wenig mattes Rot und Grün.  Das Bild war dann im Original 50 x 60 cm groß und bekam von mir noch einen breiten schwarzen Rahmen.

Anschließend ließ Wolfgang Becker von diesem Bild bei einer Druckerei eine dreiteilige Kulisse anfertigen, von der jedes Element ca. 1,50 m breit und ca. 2,00 m hoch ist. Die Einzelteile werden bei jedem Auftritt hinter den Instrumenten aufgestellt und vermitteln so dem Zuschauer/Zuhörer einen ersten Eindruck dessen, wer Georg Heym war und machen neugierig darauf, wie „Schwarzbrenner“  ihn und seine Texte mit ihrer Musik in die heutige Zeit transportieren ( zur Großansicht bitte auf das Bild klicken und zu der Band bitte hier www.schwarzbrenner.de).

Und wer jetzt gern einmal „Schwarzbrenner“ hören und sehen möchte, der kann dann mal hier klicken:

Prinzipiell hatte ich schon eine recht gute Vorstellung von dem, was mich erwarten würde, als ich mich auf den Weg zum Hamtorkrug in Neuss machte, einem Musik-Club mitten in der City, der regelmässige Live-Events anbietet. Dass es an diesem Abend etwas gemütlicher zugehen würde, stand aber außer Zweifel, denn da sich am Wochenende bereits schon mal kurz der Sommer blicken ließ, lockte das Wetter viele Menschen eher zu aushäusigen Aktivitäten.

Die Münsteraner Formation „Brute, Force & Ignorance“ ließ sich trotz der geringen Zuschauerzahl aber nicht davon abhalten, sogleich von Beginn an mit dem verdammt großartigen „Same Old Story“ Vollgas zu geben und gut zwei Stunden lang den Fuß nicht vom Gaspedal zu nehmen – auch wenn sich gleich beim dritten Song „Messin`With The Kid“ eine Saite der Gitarre jaulend verabschiedete. Benannt nach einem Titel auf dem „Photo-Finish“ Album von 1979 des leider viel zu früh verstorbenen, legendären Rory Gallagher spielen Marco Menzer (Schlagzeug), Markus Kerkeling (Gitarre/Gesang) und Stefan Lukassen (Bass) seit Januar 2007 zusammen. Eine kernige, die Ohren durchblasende, hochsympathische und liebenswerte Band ist das, die die Songs von Taste und Rory Gallagher unbekümmert, aber beileibe nicht beliebig aufspielt und mich damit jedesmal euphorisiert. (mehr …)

Stacie Collins & Band sind bis jetzt eine meiner Entdeckungen des Jahres. Wobei das Possessivpronomen da eigentlich nichts verloren hat, denn diese Entdeckung habe ich meinem alten Freund V. zu verdanken, der die drei CD`s der Dame aus Nashville schon seit langem in seinem Regal stehen hat. Whatever – diese Band bereitet uns also an einem der ersten Frühlingstage auch nach Verschwinden der zaghaften Sonne ein Highlight, nämlich eine knackige Mischung aus Blues- (Boogie) -Rock mit einer Prise Country. Und das wieder mal im „Spirit of 66“ in Verviers.

Dass Stacie, die Ehefrau des „Jason & The Scorchers“-Bassisten Al Collins, der hier neben ihr auf der Bühne steht, Bock auf Rock & Roll hat und die Hütte anzünden wird, ist gleich von Beginn an nicht zu überhören und auch nicht zu übersehen. Schon nach dem krachenden Opener „It Ain`t Love“ wirft sie das durchgeknöpfte knielange Kleid von sich und erfreut die zahlreich erschienenen Herren in den ersten Reihen mit einer knappen Jeansshorts, hohen schwarzen Stiefeln und schwarzem Spitzenoberteil. Wobei Stacie Collins beileibe nicht so ein Modepüppchen der neuen Blues- und Nashville- Generation ist. Nein, hier ist alles bodenständig, der Stetson auf ihrem Haupt hat schon bessere Zeiten gesehen und die bluesige Harp bläst immer wieder zum Angriff. Und wenn die Mundharmonica mal nicht so richtig will, wird sie mit Schwung in die Ecke geworfen: “Damned!“ Die Füße stehen nie still, da wird gestampft, gerockt, gehüpft und gesprungen. Dass dabei auch mal der Mikrofonständer zu Bruch geht und eilig repariert werden muss, ist egal. Y.E.A.H! Auch Adam Abrashoff an den Drums sitzt irgendwann nur noch im Feinripp-Unterhemd hinter seinem Schlagwerk, wobei ich gar nicht mitbekommen habe, wann er sich seiner Oberbekleidung entledigt hat. (mehr …)

Wow, was für ein Knaller!!! Oh ja, die Oli Brown Band hat im „Spirit of 66“  in Verviers ein tolles Konzert auf die Holzdielen gelegt, an das sich viele der Anwesenden, besonders sicherlich auch die vielen jungen und hübschen Mädels in den vordersten Reihen, vielleicht für lange Zeit erinnern werden.
– Das „Spirit of 66“ ist ein legendärer, sagenumwobener Ort, eine Location, die mir schon wunderbare Konzerte beschert hat. Unvergessen die Show der „Nine Below Zero“ vor über vier oder fünf Jahren. Der nicht mehr ganz so junge Gary McAvoy verausgabte sich bis aufs Letzte, stand zwischen den Songs nach Atem ringend in der rechten Ecke und peitschte die Fans in den ersten Reihen regelrecht auf. Großartig!
– Und heute nun Oli Brown, von dem es heißt, dass er der Fackelträger des britischen Blues im 21. Jahrhundert zu werden scheint (oder es schon ist). Im feinen Nadelstreifenzwirn, chicem, schwarzen Hemd und Westernboots aus blauem Eidechsenleder steht er auf den Planken, beginnt mit „I can`t stand The Rain“ und schüttelt seine Locken. Locken? Ja, seine Haare sind nicht mehr so lang und glatt wie gehabt, aber das ändert nichts daran, dass Oli und seine Kumpels, der großartige Drummer Wayne Proctor und der energiegeladene Basser Ronnie Sayer, nur so vor Spielfreude strotzen, dazu bestens aufgelegt sind, toll mit dem famos mitgehenden Publikum kommunizieren und einen großartigen Song nach dem anderen, wie z.B. „Speechless“ oder „Stone Cold“, raushauen. Druckvoll, saftig, ambitioniert, begeisternd. (mehr …)

„Go Music“ ist eine monatliche Konzertreihe, die es seit 15 Jahren (ja, wirklich) gibt und die zumeist in immer den gleichen Clubs in der gleichen Reihenfolge stattfindet. Der Organistor der Reihe, Martin Engelien, übernimmt jedes Mal die Bedienung des Bass`s.  Zusätzlich sind aber immer andere Kollegen dabei, nämlich solche, die zu den interessantesten Musikern der nationalen und internationalen Musikszene zählen. Auch diesmal wurde eine namhafte Besetzung zusammengestellt, die sich sogleich zu Beginn im „WineLive“ in Düsseldorf, einem Bistro mit Weinbar, in einem ausführlichen Instrumental vorstellte:

„Crazy“ Chris Kramer , der 2010 den Deutschen Blues-Award als bester Harp-Spieler erhielt, dazu am Schlagzeug ein  energiegeladener junger Mann aus Stuttgart namens Bene Neuner , sowie an der Gitarre Rocco Wiersch aus Dortmund, dessen musikalische Qualitäten ich schon seit längerem sehr schätze. Da auf der Einladungskarte ein Abend „unplugged“ angekündigt war, erwartete ich ein relativ ruhiges Konzert, bei dem man locker minutenlang vor sich hin träumen kann. Doch es kam etwas anders. (mehr …)

Noch lässt mich mein Vinylplattenregal nicht los. Immer noch nicht. Endlos die Reihen, die Geschichten dazu sowieso. Vieles nehme ich in die Hand, stelle es wieder zurück. Bei einigen Schallplatten kann ich mich nicht einmal mehr daran erinnern, wie sie hierher gekommen sind. Auf anderen stehen Widmungen, Daten, Orte, Texte, die sogleich das Kopfkino der Erinnerungen in Gang setzen. Und dann dieses Album hier, ganz schmal und unscheinbar steht es fast verborgen zwischen den Doppelalben des Buchstaben „B“. Burdon, Eric: When I think of all the good times that I have wasted having good times. Zwischen Gestern und Morgen. Behutsam öffne ich die Hülle, schiebe die Scheibe aus dem Cover. Ich weiß genau, was mich erwartet. Eric Burdon fällt es niemals schwer, mit seinen Songs zu mir vorzudringen, denn sie erinnern mich an das, dass das, was ist, nicht immer da ist. Damals war es der Schweiß, den ich lange nicht mehr auf der Stirn stehen hatte, das Stehen auf der Holzbank mit den Händen in den Taschen, es waren die großen weißen Vögel, die überall saßen und starrten, und das alte Fahrrad, das an die Platane vor P`s Haustür gekettet war. Gestern war es der frühe Nebel über den Bahn-Gleisen, das Krachen eines Containers an der Baustelle gegenüber und die kleinen Dampfer, die ohne Besucher über den Rhein zogen. Heute sind es die Kastanien, die auf die Straße rollen, die Kinder, die lustige Formen auf Bildschirmen herum schieben und im Cafe nebenan ist es die neue Bedienung. 

Ich weiß, dass der Zauber einer wundervollen Erinnerung an eine Band die Dinge oft verklärt und den Konzertbesucher ( z.B. mich) schon oft im voraus in übertriebene Entzückung verfallen lässt, aber der intensive und auf allerhöchstem Niveau präsentierte Soulblues des Tad Robinson und seiner vortrefflichen Band zeigt sich tatsächlich wieder mal schon in der ersten Bühnenminute.

Klasse Tad! Genau so wollen wir dich hören, so gehörst du zu den Besten! Tad Robinsons Stimme kann ich einfach nicht oft genug in meine Ohren lassen – sie ist unglaublich voluminös, warm, voller Soul und sowohl aus der Tiefe bis in die Höhen jeden Besucher und jede Besucherin, die sich auf den Weg zur Manege in Ratingen gemacht haben, überzeugend. Und selbst wenn Tad Robinson mit der Gesangsverstärkung in balladesken Gefilden unterwegs ist, kann man nur noch staunen, mit wie viel Emotionen der Soul mitten in das Herz fahren kann. Und zwar ganz ohne den sonst so oft gern reichlich genommenen klebrigen Zuckerguss. Aber nicht nur Tad Robinson alleine soll hier genannt werden, sondern auch alle seine Mitstreiter verdienen wieder einmal ein extra dickes Lob, denn die Band ( bestehend aus Alex Schultz (Gitarre), Kevin Anker (Keyboard), Steve Gomes (Bass), Robb Stuppka (Schlagzeug)),  spielt kompakt und perfekt wie aus einem Guss. (mehr …)

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