Spende statt Gage – in den eisigen Corona-Zeiten brauchen Musiker mehr Unterstützung

„Nein, mit den kalten Händen kann ich nicht länger Gitarre spielen. Die Finger sind zu steif und die Saiten schneiden in die Fingerkuppen. Trotz Hornhaut.“
Der bärtige Musiker schüttelt den Kopf, bückt sich und streichelt seinen Hund, eine freundliche Promenadenmischung, die er, so erfahre ich, von seiner Briefträgerin vermittelt bekommen hat.

Nein, erzählt er dann weiter, leider kommen auch nur wenige Leute vorbei, die zuhören wollen, obwohl dies normalerweise kein schlechter Platz ist, um sich mit Musik den Geldbeutel wieder ein wenig zu füllen.
Und Maske und Kälte sind für ihn eigentlich auch kein Grund, sich davon abhalten zu lassen.
Denn zu Hause immer nur allein in seinem Wohnzimmer zu hocken und vor sich hin zu klimpern mache ja auch nicht so viel Sinn.

Als ich frage, was für eine Gitarre er denn dort in seinem Koffer hat, grinst er über das ganze Gesicht: „Eine wundervolle Ortega Konzertgitarre. Pat Metheny spielt sie auch. Bei dieser Gitarre habe ich das Gefühl, dass ich sie ein Leben lang bei mir haben will. Schon weil sie mich immer an frühere Zeiten denken lässt, die für mich sehr prägend waren und mich an ein Gefühl von Leichtigkeit und Aufbruch erinnern.“
*
Ja, es ist ruhiger geworden.
Jeder spürt es.
Abgesagte Konzerte und Festivals, geschlossene Clubs – seit April 2020 gelten die Veranstaltungsverbote der Bundesregierung.
Überall ist es still geworden.
Viel zu still.