Die zebrechlichen Netze der Lampionblumen werfen fragile Schatten

Die leuchtend orangeroten Lampionblumen in unserem Garten sind nicht nur zur Blütezeit wunderschön ( hier nachzulesen ), sondern auch, wenn sie sich auf den langsam fortschreitenden Herbst einstellen.
Als würden sie sich den ringsum fallenden Blättern anpassen, werden sie mit der Zeit blasser, matter und verwandeln ihre leuchtende Farbe in ein stumpfes lichtes Braun.
Man kann fast täglich dabei zuschauen, wie die kleinen Ballonhüllen in der kühlen Spätherbstluft allmählich trockener werden, anfangen zu knistern und sich nach und nach auflösen.

Dabei kommt dann das Schönste an ihnen zum Vorschein, nämlich ein ganz zartes, feines, scheinbar zebrechliches Lampionnetz, in dessen Mitte eine kugelrunde, kleine orangefarbene Beere liegt.
Ist es nicht zauberhaft, dass diese Pflanze auf so wunderbare Weise etwas zum Vorschein bringt, was in ihr steckt?
So unmittelbar und unverstellt ist dieser Moment der Schönheit, der sich in jedem Jahr von Neuem zeigt – werweißwielangeschon.

Diesen Wandels aus dem Prozeß heraus finde ich immer wieder faszinierend. Denn auch wir alle leben mit ständigen Veränderungen – Umgebungen verändern sich, Situationen, Menschen, ja auch wir selbst.
Wir leiten Umdenkprozesse ein, suchen nach einem anderen Bickwinkel, nach neuen Perspektiven, nach Erkenntnis, arbeiten an der „Optimierung der Persönlichkeit“ und verändern uns dabei immerwährend auf seelischer, geistiger und körperlicher Ebene.

Zitat:  “ Der ganze Lebenslauf eines Menschen ist Verwandlung. Alle seine Lebensalter sind Fabeln derselben, und so ist das ganze Geschlecht in einer fortgehenden Metamorphose. – Blüten fallen ab und welken, andere sprießen hervor und treiben Knospen: der ungeheure Baum trägt auf einmal alle Jahreszeiten auf seinem Haupte.“

Johann Gottfried Herder  ( 1744-1803 )

(Zeichnung auf Skizzenpapier mit Füller, Tinte, Deckfarbe und Buntstiften)