„Saarelta Saarelle, das heißt übersetzt von Insel zu Insel,“ so erklärt es uns Didrik, ein blonder Hüne im perfekt gebügelten hellblauen Hemd und lächelt dabei entspannt.
Dann holt er ein Faltblatt aus dem retrochicen Regal des Fremdenverkehrsamtes: „Unser Schärengarten bildet einen der schönsten Archipele der Welt.“

Wir könnten eine Tour durch diesen  machen, erklärt er uns, mit dem Kajak zum Beispiel, mit dem Rad oder auch dem Schiff, und wenn wir mögen, könnten wir uns auch zu einem Lachs-Dinner auf eines der kleinen, unbewohnten Eilande bringen lassen.

Ein kleines Glück – Blaubeersaft

Zuerst entschließen wir uns aber für eine Flasche des wunderbar dickflüssigen, tiefdunklen Blaubeersaftes, den Didrik aus einem Kühlschrank hinter der Theke holt  und der so unnachahmlich nach Wald, Sonne und Sommer schmeckt, weil in ihm nichts anderes zu finden ist als frisch gepresste  Beeren.

Später versammeln wir uns mit den Mitreisenden auf dem Außendeck, stehen Ellbogen an Ellbogen, um die Landschaft des Nationalparks, die langsam vor uns wie in einem Film vorüberzieht, zu betrachten und die Gedanken schweifen zu lassen. Irgendwohin.

Es muss nicht immer ein In-Spot sein

Wir passieren kleine und große Felseninseln, manche unbewohnt, andere mit rot-weißen Holzhäuschen und properen Fischerhütten darauf, beobachten Segelboote, die gemächlich vorübergleiten, Ruderboote und kleine Yachten, die an grünen Bäumen und elefantengrauen Granitfelsen entlang schippern.
Man sieht Buchten mit klarem, saphirblauen Wasser, auf denen bunte Gänse mit schwarzen Hälsen schwimmen, und kleine Leuchttürme, die einsam auf winzigen Schären stehen.
Die Bottnische See glitzert und funkelt in der schräg stehenden Sonne.

Ein kleines Eiland mit einem malerischen „Mökki“ (Sommerhaus) rückt in das Blickfeld, mit einer weißen Bank vor der Tür, einer Sauna, aus dessen Ofenrohr ein Holzfeuer fleißig raucht und einem hellen Kiesweg zu den Felsen, die von den Winterstürmen der See seit Jahrhunderten glatt geschliffen worden sind.
Drei junge Männer breiten darauf ihre Handtücher und Bierflaschen aus.
Die Stille und Einsamkeit in den Schären scheint perfekt.

Die Eile kann warten …

Wir blinzeln in die Dämmerung, die langsam alles in ein bläuliches Licht taucht und die sich nur schwer mit Worten beschreiben lässt.
Alles sieht, fühlt, schmeckt und riecht irgendwie magisch, selbst unser Abendessen: warmes Brot aus Gerste und Hafer, Kabeljau mit Senfkruste und Preiselbeeren, danach roter Glöggpudding, umgossen mit Vanillesauce.

Und während vor dem Fenster die Sonne in einem atmosphärischen Moment im Meer versinkt, lehne ich mich zurück, kaue Sanddornbonbons aus Vaasa und schaue in den sich mehr und mehr verdunkelnden Himmel.

Hach, am liebsten möchte ich gar nicht wieder abreisen.
Und wenn doch, dann aber nur ganz, ganz langsam.

Video von „Visit Finland“