Hier scheiden sich die Geister.
Rahmbrei, gegorener Fisch, Bären-, Elch-, und Rentierfleisch, sowie Rosinenwurst… das alles gibt es in der „Turun Kauppahalli“ in Turku, einem eindrucksvollen roten Backsteingebäude von 1896, das zu einem Besuch einlädt.
Wie bitte? Rosinenwurst?

Wer möchte Rentierfleisch?

Tatsächlich ist die mit Rosinen veredelte Fleischwurst, so erfahre ich, ein Renner. Ungefähr 50 Kilo davon werden wöchentlich in dem Fleischgeschäft verkauft, in dem die Herstellung dieser beliebten Spezialität von einem ausgebildeten Rosinenwurstmeister streng überwacht wird.

Für Süßschnäbel ein Schlaraffenland: „Piece Of Cake“

Ich bin nicht so ganz sicher, ob ich eines dieser wunderbar präsentierten Angebote probieren möchte, sage lieber freundlich „Kiitos“ ( Dankeschön) und spaziere weiter durch die langen Gänge, in denen Dutzende von kleinen, gemütlich altmodischen Geschäften und Bars, die zum Schlemmen einladen, nebeneinander aufgereiht sind.
Das Cafe „Piece Of Cake“ zum Beispiel, das als beste Bäckerei Finnlands ausgezeichnet wurde und mit Weltklasse-Torten ohne Kalorienbegrenzung lockt, das Stück für 5,20 Euro.

Oder wie wäre es mit Flammlachs, auf Birkenfeuer gegrillt, mit „Lohikeitto“, einer finnischen Lachssuppe oder mit Glasmeisterhering, einem mit Nelken, Möhren und Lorbeer eingelegten Fetthering?

Ein Imbiss direkt am Marktstand

Ein guter Grund, warum man sich unbedingt mal hinsetzen muss, sind auch die warmen Zimtschnecken, das süße, finnische Schwarzbrot und das ein oder andere Erfrischende, Prickelnde.

Wie gut doch immer wieder Urlaub schmeckt!

Das „Turku Art Museum“, hoch oben auf dem Puolalanmäki

So gestärkt machen wir uns auf, den Puolalanmäki, einen der sieben Hügel der Stadt zu erklimmen, denn von diesem, so las ich, gibt es einen wunderbaren Blick hinunter auf Turku und den Aurajoki-Fluss, der das Zentrum der Stadt wie eine Lebensader durchzieht.
Außerdem erhebt sich dort oben das imposante „Turku Art Museum“, ein Granitgebäude aus dem Jahre 1904, im
finnischen Jugend- oder Art – Noveau – Stil, das schon äußerlich einen atemberaubenden Eindruck vermittelt.
Und innen erst!

Faszinierende Nationalschätze gibt es zu bestaunen, dazu zeitgenössische Kunst – mal schräg wie in einem Kaurismäki-Film, mal ernst, mal verspielt.

Zur Zeit zeigen auf speziellen Ausstellungen Jenni Yppärilä, Anssi Kasitonni und Imogen Cunningham ihre Werke.

Jenni Yppärilä kreiert erstaunliche Hingucker, faszinierende dreidimensionale Gemälde von imaginären und teilweise realen Gebäuden aus Turku,  Annsi Kasitonni präsentiert seine  beiden neuesten Kurzfilme , die ihre Inspiration und Themen aus Populärkulturen und Subkulturen beziehen,  und von  Imogen Cunningham, eine der Ikonen der modernen Fotografie, werden wunderbar atmosphärische schwarz-weiß Portraits, sowie elegante, coole Studien über Pflanzen gezeigt.

Mein liebstes Getränk – Blaubeersaft

Das gefällt mir natürlich.
Ganz klar.
Aus dem von Sonnenlicht durchfluteten, kleinen Museums-Shop nehme ich gerne auch etwas mit nach Hause:  einen wunderschönen, kleinen Druck von Elin Danielson (1861 – 1919), die zur ersten Generation finnischer Künstlerinnen gehörte, die eine akademische Ausbildung absolvieren durften und die für ihre realistischen Portraits bekannt ist.

Und wo schauen wir uns den Spätsommersonnenuntergang an?
Natürlich am Ufer des Aurajoki ( auf Deutsch „Pflugfluss“ ), der, von Alleen gesäumt, an Museen, Cafes und Designerlädchen, in denen überall etwas Schönes liegt oder steht, vorbeiplätschert.

Spätsommerabend auf der Promenade am Aurajoki

Auf der Promenade radeln schwarz gekleidete Punksenioren mit grauen Bärten schwungvoll an schwatzenden, älteren Damen mit Cat-Eye-Sonnenbrillen vorbei, junge Frauen schieben chice Kinderwagen im Retrodesign vor sich her, Teenies sitzen in Gruppen im Gras und checken ihre Smartphones, curvy Girls in weißen Hosen oder in bunten Flatter-Outfits schlecken Eis aus voluminösen Vanille- Bubble-Waffeln und vermitteln die Botschaft:
Hej….alles easy, alles im Flow, für heute ein Schmetterling!

Wie schön doch der Sommer ist!
Wie schön die Welt!

Teil 1 meiner Finnland Trilogie  ( gibt es hier zu lesen)
Fotos: Copyright privat

Und wer jetzt gern einmal Musik von finnischen Künstlern hören möchte, der kann bitte hier klicken: