An diesem Spätsommertag ist es in Vaasa/Ostrobothnia so hell, dass ich die Sonnenbrille herauskrame.
Wir schlendern durch die breite Lindenallee, die mitten durch die familiär wirkende Stadt führt und durch deren flirrende Blätter die Sonne flimmert und funkelt.
Die Scheiben blitzen, die Häuser leuchten, ja selbst die Pflastersteine schimmern in diesem unglaublichen Licht, wie man es in dieser Klarheit so nur im hohen Norden finden kann.

So grün…Vaasas breite Allee mitten in der Stadt. Autos sind hier Nebensache.

Und während die Wärme, die für Finnland zu dieser Jahreszeit eher ungewöhnlich ist, unsere Seele tätschelt, hören wir zwei älteren Herren zu, die vor dem Kiosk stehen und mit „Blowing In The Wind“ Erinnerungen wecken, die sanft das Hirn wiegen.
Gitarre, Harp und Stimme…genau, mehr braucht es nicht.

Vor einem „hyggeligen“ Cafe sitzen junge Frauen in Palazzohosen und flatternden Marimekko-Blusen auf gemütlichen Schaffellstühlen und essen karelische Piroggen. Bunte Astern stecken in Vintage-Bechern und angestoßen wird mit Einmachgläsern.

Wir suchen uns an der Theke breite Streifen Quark-Sahne-Kuchen aus, dick bestreut mit Himbeeren, Preisel- und Blaubeeren, dekoriert mit Minze. Serviert wird auf individuellen, kunterbunten Keramiktellern.
Ja, das ist „Slow Food“ – wild wachsend, naturbelassen, regional und auf traditionelle Weise zubereitet.
Darauf legen die Finnen Wert, denn sie sehen, wie wichtig die Beziehung zwischen Teller, Mensch und unserem Planeten ist.

Wow…so artsy! Das „Kuntsin Modernin Taiteen Museo“ ist eines von zehn Museen in Vaasa.

Vor dem „Kuntsin Modernin Taiteen Museo“, das sich in einem ehemaligen Zolllager direkt am Innenhafen befindet, lümmeln wir uns auf eine der langen, extrabreiten Holzbänke, die mit Blick auf die Schären, den hingestreuten Felseninseln im Bottnischen Meerbusen, eine perfecte Location zum hinausträumen aufs Wasser sind.

Zur Feier des Tages – eine „kuriose“ Cola

Wir schauen auf falunrote Sommerhäuschen, auf einen grünblauen Flickenteppich aus Wald und Wasser, glänzende kleine und große Boote und Yachten, die auf den leisen Wellen schaukeln und „Häschenbuden“( so heißen die Kioske).
Dazu genießen wir eine ganz besondere, „kuriose“, ökologisch produzierte Cola, die nach Zimt und Kardamon schmeckt, und eine Flasche finnisches Bier, für die man immerhin 8,50 Euro hinlegen muss.
Aber das ist okay, denn so ist der Nachmittag perfekt.

Hier gibts Kunst – Ausstellungsplakat

Die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle macht uns neugierig, denn sie ist betitelt „No Land Is An Island“.
Wir gehen hinein.
„In unseren Räumen zeigen wir hauptsächlich nordische Künstler,“ sagt die strahlend lächelnde Ticketverkäuferin nicht ohne Stolz, „z.B. aus Grönland, Schweden, Norwegen und Island. Sie können in unserer aktuellen Ausstellung Exponate von Hans Rosenström anschauen, einem international anerkannten finnischen Künstler. Insbesondere seine ortsspezifischen Rauminstallationen mit außergewöhnlicher Soundwork sind beachtenswert.“
Genau das stellen wir ebenfalls fest, als wir uns in die spannenden Inszenierungen des Herrn Rosenström hineinbegeben.

Später, beim Stöbern am Merch, erfahre ich, dass in der Stadt Vaasa, die mit ca. 65-tsnd. Einwohnern ungefähr so groß ist wie Herford, sage und schreibe zehn(!) Museen zu einem Besuch einladen.
Ist es da ein Wunder, dass ich mich so inspiriert fühle und gar nicht anders kann, als meine Stifte zusammenzusuchen und mich vor den Zeichenblock zu setzen?

Ist sie nicht schön, die Farbe „Falunrot“, mit der die Holzhäuschen in Skandinavien gern gestrichen werden?

Teil 2 meiner Finnland Trilogie gibt es hier zu lesen