Jürgen Kordes, Kurator der Schmetterlingssammlung, präsentiert seine ungewöhnlichsten Falter

Wohin mal schnell in die „Sommerfrische“, wenn man in Berlin wohnt? Wer jetzt die Idee hat, einen Ausflug nach Berlin-Köpenick zu machen, an den idyllisch gelegenen „Langen See“ zum Beispiel oder den schilfbestandenen „Müggelsee“, um Luft zu holen und aufzutanken, dem möchte ich gerne zwei empfehlenswerte Ausstellungen im „Schmetterlingshorst“ ans Herz legen.

Zum ersten ist das die Präsentation der 52 Portraits, betitelt „Schau Mich An“ von Susanne Haun und mir (hier lesen) im Galeriesaal und zum zweiten (hier beschrieben) die ansehnliche und faszinierende Käfer- und Schmetterlingsausstellung im gleichen Haus nebenan.

Was es dort zu sehen gibt, hat mich vom ersten Moment an in den Bann gezogen und begeistert.
Denn in dieser fein säuberlich sortierten, präzise angeordneten und für die Ewigkeit konservierten Sammlung gibt es Fantastisches zu sehen: atemberaubende Schönheit, garstige Ästhetik, ungewöhnliche Formen und schillernde Farben, so intensiv, so leuchtend und geheimnisvoll, dass man aus dem Staunen fast gar nicht mehr herauskommt.

Es gibt prickelnde Gänsehautmomente und Gruselattacken, Nachtfalter, Tagfalter, Taranteln, Schwärmer, strahlend blaue Morphofalter, Motten und perfekt präsentierte Krabbeltiere.

„Was ist eigentlich der seltenste oder wertvollste Schmetterling in dieser Sammlung?“ frage ich Jürgen Kordes, den Kurator dieser Ausstellung.
Er ist ein überaus freundlicher, kompetenter Herr mit Zopf, grauem Bart und Aztekenmuster-Pullover, ruhig und überlegt, der eine Menge über seine zu betreuenden 5.114 Exemplare zu erzählen weiß.

„Das sind ganz klar diese hier,“ sagt er und führt uns zu einem der hölzernen Schaukästen, „diese Schmetterlinge leben in der Südsee nur auf wenigen, kleinen Inselarchipelen und auch dort nur in engen Lebensräumen. Sie unterliegen strengstem Artenschutz und dürfen mittlerweile auf gar keinen Fall mehr gesammelt und ausgeführt werden. Sie hier zeigen zu dürfen ist etwas ganz Besonderes, nicht nur für Entomologen und Lepidopterologen.“

Ich bewundere die kleinen, schillernden Kostbarkeiten: prachtvolle Falter, federleicht und zart, klein und groß, bunt und sehr sehr bunt, vor allem aber wunderschön. Zwischen veronesergrün, mandarinenorange, lime, aquamarin und perlmutter schillern und leuchten sie wie von einem anderen Stern.

„Fast alle Schmetterlingsarten haben dramatische Bestandseinbrüche,“ erklärt Herr Kordes, „und weil man nur schützen kann, was man kennt, geht es ganz ohne die präparierten Belegstücke von Faltern und Käfern eben einfach nicht. Darum haben wir hier sehr oft Besuch von Schulklassen, die sich darüber informieren können.“

Übrigens ist der Eintritt frei, am Eingang befindet sich jedoch eine kleine unscheinbare Spendenbox in der Ecke, so dass man sich mit einem Obolus für den Ausflug in die Flatter- und Krabbelwelt bedanken kann.

Parallel dazu ist die Portrait-Ausstellung „Schau mich An“ von Susanne und mir im Galeriesaal noch bis zum 6. Oktober 2019 im „Schmetterlingshorst“ zu besichtigen!
Zum Schmetterlingshorst 2, 12559 Berlin
Tel: 030-61 67 48 61, http://www.schmetterlingshorst.de

Vielen Dank an Jürgen Kordes, der mir erlaubt hat, die Fotos hier zu zeigen.