„Auf den Tag genau vor 500 Jahren,“ so beginnt die Moderatorin Pe Weber, die uns gut gelaunt durch die Vernissage zur Ausstellung mit dem Thema „Der neue Mann“ führt, „starb Leonardo da Vinci, einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten. War er eigentlich ein „Neuer Mann“?“
Der resolute Herr neben mir nickt: „Zumindest hat er ihn schon mal vermessen. Das sieht man ja auf der italienischen Euromünze.“

Wir befinden uns im großzügigen Foyer der Stadtsparkasse Wermelskirchen, die diese Gemeinschaftsausstellung für Kunstschaffende aus der Bergischen Region auf den Weg gebracht hat.
Der Organisator der Ausstellung, Christoph Weber (rechts im Bild), sowie Sparkassendirektor Hans-Jörg Schumacher, stellen sich einem kurzweiligen Interview und bringen ihre Sicht zu diesem Thema dar.
Was versteht man heute eigentlich unter einem „Neuen Mann“? Ist er ein Mythos? Ein Trend, der nicht mehr neu ist?
Ist dabei die Modellation des Körpers unumgänglich? Gibt es „Schubladen“ für den „Neuen Mann“?

Diese Fragen habe nicht nur ich mir, sondern haben sich auch die anderen 17 Kunstschaffenden, die sich an die künstlerische Umsetzung dieses Themas gemacht haben, gestellt.
Denn in den vergangenen 20 oder 30 Jahren hat sich so einiges im Leben von Männern geändert.
Was haben sie heute für Probleme, was sind die Herausforderungen, wie nehmen sie sich selber wahr und wie werden sie gesehen?

Wenn ich mich so umschaue, stelle ich fest: jede der ausgestellten Arbeiten hat eine ganz bestimmte, findige Idee als Grundlage, die jeweils mittels verschiedener Techniken und Methoden, sowie phantasievoller und kreativer Herangehensweise umgesetzt wurde.
Spannend sind auch die neben den jeweiligen Werken angebrachten kurzen Geschichten oder Erklärungen.

So habe ich mich hier mit insgesamt drei Bildern, u.a. auch mit meinem Bild der „Drei Freunde“ (siehe hier) an der Ausstellung beteiligt.
Denn für mich persönlich hat der „Neue Mann“ nichts mit dem Alter zu tun, sondern damit, wie authentisch, echt und genuin ein Mann ist.
Die drei Rentner auf meinem Werk zeigen, dass man auch im fortgeschrittenen Alter nicht tun muss, was „man“ tut, sondern auch Dinge tun kann, die diametral anders sind, als das, was man klischeehaft in dieser Altersregion erwartet.

Für eine andere Künstlerin ist der „Neue Mann“ auf jeden Fall ein gut aussehender, junger Kerl, für eine andere dagegen ein Muskelschrank mit grimmigem Blick.

Die Bildhauerin Judith Wohlgemuth (siehe hier) zeigt eine Skulptur aus Gips, von außen schön geformt und interessant anzusehen, von innen aber hohl.

Gibt es also tatsächlich einen „Neuen Mann“ oder ist es eigentlich nicht immer schon der, der die Suche nach sich selbst erfolgreich beendet hat und sein Leben authentisch und selbstbewusst lebt?

Auf jeden Fall ist dies eine sehenswerte Ausstellung, über die auch schon die hiesige Tageszeitung berichtete (siehe hier).