Es gibt Verbindungen von Ort und Zeit, da fühlt man sich, als wäre man an einem Ort außerhalb von Zeit, so, als wäre man z.B. in „Andersland“, so wie Norwegen einmal genannt wurde.
Dann bleibt es manchmal selbst am hellichten Tag ein wenig fahl und dämmerig, der tiefe, stille Fjord zeigt sich schummerig grau, so dass man sich nicht wundern würde, wenn an der nächsten Ecke Trolle, Elfen oder gar Berggeister auftauchen würden.

Die umliegenden Berge liegen in dicken Wolken, die nur ganz selten aufreißen. Dann darf die Sonne kurz die steilen Felsen zum Leuchten bringen.

In dem kleinen, verwunschenen Örtchen am Ende des Fjords geht es  harmonisch und friedlich zu. Es ist klein genug, um in einer Stunde überall hin zu flanieren und sich auch den breiten Sturzbach anzuschauen, der zwischen den Häusern über große Felsbrocken tost und schäumt, hier und da Strudel bildet, sich teilt und wieder zusammenkommt.

Vor dem Bootsverleih sitzen lässig ein paar Männer in Anoraks auf Campingstühlen, sie halten Kaffeebecher in der Hand, schwatzen und lachen und halten entspannt nach Kunden Ausschau.

„Hei,“ rufen sie uns entgegen und als wir auf die sich auftürmenden dunklen Wolken zeigen, weist der mit dem roten Bart grinsend auf das verwitterte Holzhäuschen. Dort steht eine pummelige, freundliche Frau mit breitem Gesicht, vielleicht samisch, unter dem Dach und verleiht Neopren-Anzüge, Regenjacken und Gummistiefel.
Und ja, es gibt ein paar Touristen und Angler, die sich, wetterfest ausgestattet, hinaus aufs Wasser trauen.

Wir schlendern weiter zu einem kleinen Lädchen, vor dem ein weiß gestrichenes Fahrrad steht. Drinnen sitzt ein junger Mann mit Fellweste, der wie Albrecht Dürer aussieht, und liest in einem Comic.
Die liebevoll dekorierten Verkaufsräume sind eine wunderbar altmodische Mischung aus Kramladen und Souvenirshop. 
Dort kann man im schummrigen Licht zwischen allerhand touristischen Scheußlichkeiten auch hübsch bemalte Holzfiguren von Rentieren und Vögeln, Modelle von Fischerbooten oder Wikingerschiffen, Keramikfiguren und selbstgebastelte Kunst erstehen.

Als es langsam dunkel wird, stehen wir am Ufer, ganz am Ende des Fjords, dort, wo es nicht mehr weitergeht, neben einem verrotteten Ruderboot und beobachten Vögel im Steilflug aufs Wasser.
Wind kommt auf, ich fröstele ein wenig und ziehe mir die Mütze über die Ohren.