Das alte, sepiafarbene Foto, welches mir als Vorlage für die Zeichnung von Willi diente, stammt aus dem Jahr 1957. 
Nun hatten Jungs in den 1950er Jahren zumeist einen „ordentlichen“ Haarschnitt, der auch unter der Bezeichnung „Facon“ bekannt und beliebt war.
Bei Willi hingegen war dies anders. Seine Haare waren schulterlang, lockig und wurden mit einer kleinen Haarspange aus dem Gesicht gehalten.
Heute sind lange Haare bei männlichen Personen nichts Außergewöhnliches, aber damals war es das schon.
„Ich habe zwei ältere Brüder“, erzählt Willi, „und meine Eltern hatten sich nach zwei Jungs sehnlichst ein süßes Mädchen gewünscht. Allerdings bekamen sie wieder einen Jungen, nämlich mich.“

Darum ließ seine Mutter ihm eine Zeitlang die Haare wachsen, strickte ihm niedliche Muster-Strickjäckchen und war stolz, wenn ihr zu dem goldigen Mädchen gratuliert wurde.
Willi machte das nichts aus. Er ging selbstbewusst, charakterfest und souverän durch sein kleines Kinderleben.
„Am liebsten,“ so erzählt er, „habe ich damals am Wasser gespielt. Angeln und Fische fangen war das Größte für mich. Stundenlang konnte ich mich mit meiner kleinen Kinderrute oder dem Kescher am Ufer aufhalten, Forellen beobachten oder die Stellen suchen, an denen sich Aale aufhielten. Dabei konnte ich völlig die Zeit vergessen. Ich suchte unter versunkenen Ästen, angelte an Bacheinläufen, lernte die Beißzeiten kennen und welche Köder für welchen Fisch zu benutzen sind.“

Aus diesem Grund habe ich als Hintergrund eine historische Angelrute gezeichnet, die man heute durchaus auf einem speziellen Messe für antikes Angelgerät finden könnte.
Auf der linken Seite ist ein Zitat des Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827) zu lesen: „Der Mensch muss sich in der Welt selbst forthelfen. Dies ihn zu lehren ist unsere Aufgabe.“

Und, mag man sich vielleicht fragen, was ist dann später aus Willi geworden?
Hat er einen Beruf gewählt, der mit Angeln oder Fischen zu tun hat? Fischwirt vielleicht, Redakteur bei einer Angelzeitschrift, Fischer oder betrieb er ein Geschäft für Angelzubehör?
Nein, nichts von alledem. Willi ist später städtischer Angestellter geworden.
Aber das Angeln, das hat er bis heute nicht aufgegeben!
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Das obige Portrait von Willi habe ich von Hand gezeichnet. Dafür habe ich einen alten Füller, schwarze, lichtechte Tinte, Farbstifte und einen weißen PITT-Pastellstift benutzt. Das Portrait ist ca. 20 x 20 cm groß. Wer möchte, kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.