„Schäre heißt „Skär““, so erklärt uns der Kapitän, ein alter Seebär mit weißen, struppigen Haaren und einem ebensolchen Bart. Der massige Hals ragt aus einer dicken blauen Steppweste hervor. Dazu trägt er einen gemütlichen Kapitänsbauch vor sich her und Gummistiefel an den Füßen.
„Und eine Insel heißt „ö““, erklärt er weiter, „eine kleine Insel dagegen „ör“, ein Stein „sten“ und dann gibt es noch „grynna“, das ist  ein Stein, der sich teilweise oder ganz unter Wasser befindet.“

Wir gleiten vorbei an bewaldeten Eilanden mit roten Holzhäusern und Steg,  an spiegelblanken, glatten Felsen, die nur knapp aus dem Meer ragen und an kleinen, unbewohnten Inselgruppen, vor denen sich Enten ein Stelldichein geben.

Der Himmel ist tiefblau und voller Sonne, taucht alles in ein unglaubliches Licht – so wie schon fast die ganzen Ferien über.
Auf dem Schiff gibt es Branntwein aus Äpfeln und Birnen und Wätteros Gård, ein ökologischer Weißschimmelkäse aus Ziegenmilch.

Wir hocken über der Landkarte und studieren die Richtung, aus der wir kommen und in die wir fahren. Backbord sehen wir eine Schäre aus grauen und roten Felsklippen mit allerlei Bewuchs in verschiedenen Grüntönen und einem kleinen, weißen Leuchtturm.
Auf einem Plateau steht eine einsame Gestalt neben einem Haufen Bretter, die, so scheint es, zu Humus verfallen.
Die Gestalt, ein hagerer Mann mit langem Bart, schaut über das dunkelblaue, glatte Meer und die kreuzenden Segelboote. Er hebt die Hand vor die Augen.

Ein Trampelpfad führt zu einem niedrigen, blutrot gestrichenen Holzhaus mit einem Schindeldach und einer Bank neben der Tür. Ich stelle mir darin ein gemütliches Wohnzimmer vor, in dem Kaminfeuer lodert und an den Wänden die schönsten Bücher stehen.
Ja, das könnte ein Ort sein, wohin man sich zurückziehen kann, wenn draußen Stürme toben und wo man leben kann, wenn die übrige Welt in die Luft fliegt.

Und je länger wir unterwegs sind, umso mehr wird geradegerückt: mein Rücken, mein Kopf, meine Gefühle.

Um uns herum Wind, Meer und Natur – und fast genau das landet später bei uns auf dem Teller.
Wir essen Weißfisch mit Kartoffeln und sämiger Dillsoße, dazu gibt es Stallahagen Red Ale – ein Bier mit einer Farbe, die an den alandischen rosa Granit, mit dem Mariehamns Straßen asphaltiert sind, erinnert.
Es folgen Rhabarberkuchen, Appleaud und eine herbe Waldbeerlimonade und noch mehr Bier.

Hach….wie schön das Leben doch sein kann.

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