Jeder, der mich auch nur ein klitzekleines bisschen kennt, weiß, wie begeistert ich jedes Mal bin, wenn ich die Aufgabe bekomme, ein Kinderportrait zeichnen zu dürfen.
Und wenn das dann auch noch so ein kleiner Sonnenschein ist wie Johann, ist die Freude natürlich groß.
Denn wer ließe sich nicht von diesem umwerfenden Lächeln mitreissen?
Ich bin sicher, da kann niemand widerstehen.
So wie immer beginne ich auch diesmal mit einer zarten, aber genauen Bleistiftzeichnung. Für mich ist es eine Hilfe, schon gleich zu Beginn die Licht- und Schattenbereiche abzugrenzen, sowie zu definieren, woher das Licht kommt.

Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber dabei hilft eine genaue Beobachtung. Denn wie jeder weiß, nehmen wir Formen durch das Licht wahr, das auf einen Gegenstand oder eine Person fällt – hier z.B. kommt es von oben und zwar etwas mehr von links.
Wenn wir in einer schwarz-weissen Welt leben würden, wäre es natürlich viel leichter, die verschiedenen Tonwerte dieser hellen und dunklen Stellen festzuhalten.

Aber ich habe da einen Trick. Um die feinen Hell- und Dunkelabstufungen der vielen Farben, die die Welt hat, besser definieren zu können, kneife ich die Augen ein wenig zusammen. Durch das Zwinkern werden nämlich die Farben etwas gedämpft, so dass ich mich besser auf die Tonwerte konzentrieren kann.

Die fertige Zeichnung lasse ich dann ein oder zwei Tage auf mich wirken. Dazu lege ich sie auf den Tisch, dann auf die Kommode, lehne sie an die Wand oder drapiere sie auf dem Fußboden. Immer wieder gehe ich zwischendurch daran vorbei und schaue sie an.
So kann ich am besten beurteilen, was gegebenenfalls noch mit dem Wischer, Radierer und Stift korrigiert werden soll. Meist fehlen noch Kontraste, ein paar Lichtstreifen oder etwas Tiefe, um dem Bildnis Persönlichkeit und „Seele“ zu geben.

Ja, Charakter und Personalität, das haben auch schon so kleine Kinder wie Johann.
Und wer jetzt mit dem Mauszeiger auf das Bild geht und klickt, bekommt davon eine Großansicht.