Die Farmacia ist aus weiß angestrichenen Ziegelsteinen, hat blaue Fenster und ein Mansardendach, das über einen Schirm schwarzer Zypressen hinausragt. Im Innern finden wir gediegene Mahagoniregale, einen glatten Steinfußboden und ein von einem Sicherheitsbeamten bewachtes gläsernes Kassenhäuschen vor.

Durch die Schlitze der hölzernen Jalousetten dringt die gleißende Nachmittagssonne, prallt von einer langen weißen Marmortheke ab und wirft Licht auf die Wände und das Gemälde eines einheimischen Malers, das zwei verliebte Papageien zeigt.

Wir warten, bis wir an der Reihe sind.
Der Apotheker ist ein strenger junger Mann namens Florentino Otero. So lese ich es auf dem Namensschild. Er hat spindeldürre Finger und eine kurze, gebogene Nase, eine beflissene, ernste Miene und ein zögerliches Lächeln. Er kennt sich aus in seinen Regalen, Fächern und Schubladen.
Unter seinem weißen Kittel trägt er eine Hose aus gestreiftem Kammgarn und blank geputzte Schuhe. Beim Gehen biegt er seinen rechten Fuß leicht nach außen ab.

Wir sagen, dass wir Aspirin möchten.
Florentino Otero nickt, dreht sich herum und nimmt eine bereits geöffnete Schachtel aus dem Regal, schüttelt einen Blister heraus und schaut uns fragend an: „Wie viele möchten Sie?“
„Wie meinen Sie das?“
„Wie viele Stück Tabletten möchten Sie?“
Er greift nach einer Schere, um die entsprechende Anzahl abzuschneiden.
„Verkaufen Sie die einzeln?“
„Selbstverständlich. Wir verkaufen alle Medikamente einzeln. Je nach Bedarf. Ganz nach Wunsch.“
Er hält die Schere abwartend in die Luft und als wir zögern, setzt er hinzu: „Ein Stück Aspirin kostet sechs Cent.“

Wir entschließen uns, einen kompletten Blister Aspirin zu nehmen, also alle zwölf Stück.
Dazu Heftpflaster, Mückenspray und drei Stück Magentabletten.
Dafür zahlen wir vier Dollar sechsundfünfzig an den Kassierer, einen korpulenten Mann mit sonnigem Gesicht und einem Nacken voller Speckfalten, der behäbig in seinem Glaskasten sitzt.
Woher wir kommen, möchte er wissen, und dabei blinzelt er uns grinsend durch eine stahlumrandete Brille an.
Ah…Germany…ja, das kennt er natürlich, nämlich wegen „Sweinsteigör“ und „Angele Mörkl“.

Derweil steht der Sicherheitsbeamte hoch aufgerichtet neben dem Kassenhäuschen. Er hat die Arme vor der Brust verschränkt und verzieht keine Miene.