panamacolonhalbDer Ort besteht aus schäbigen Zementhäusern, Lagerhallen, desolaten Backsteinkästen,  einem Gewirr von elektrischen Drähten auf den Dächern und einem Sportplatz, der mit einem drei Meter hohen Zaun umgeben ist. Es gibt eine müllübersäte Grünanlage mit schwarzen Zypressen und Geschäfte, die im Kolonialstil erbaut sind.
Alle, sogar die Bäckereien, haben Gitterstäbe vor den Fenstern.

Das Grau der Häuser ist etwas heller als das Grau der Straßen. Nein, diese Stadt sieht nicht so aus, als könnte sie die Schlagzeilen der Weltpresse erobern.

colon2halbWir fahren mit dem Bus zum Hafen. Der Bus ist neu, hat bequeme Sitze und eine Aircondition. Zeitweise kommen wir nur im Schritttempo vorwärts.

Aus dem Fenster erblicke ich eine kupferhäutige Indianerin mit ihrem Sohn, die vor einem weihnachtlich geschmückten Laden auf einem umgekippten Kühlschrank sitzt. Die Frau kaut etwas und scheint vor sich hin zu grübeln. Sie trägt eine rosa Stretch-Jeans, sowie einen hohen schwarzen Hut, den sie an ihren Zöpfen festgesteckt hat. Der Sohn hält einen zappelnden braunen Welpen auf dem Arm.

Dann taucht ein in der gleißenden Sonne liegendes Einkaufszentrum auf. Es ist durch ein großes Tor von Rest abgetrennt und wird von sonnenbebrillten, uniformierten Sicherheitsbeamten bewacht. Deren Aufgabe ist es, jeden in Augenschein zu nehmen, der hinein oder hinaus will. Diesen Dienst nehmen sie sehr genau. Die am Gürtel befestigen Handschellen blinken im Sonnenlicht.
Ich sehe einen Mann mit ledernem Gesicht, das hohes Alter verrät, im spärlichen Schatten eines Lorbeerbaumes. Er steht neben einem kleinen Karren und versucht, Ananas und Bananen zu verkaufen.

„Fremde sollten hier nicht unbedingt allein spazieren gehen“, erklärt uns ein Mitfahrer, ein stämmiger Holländer mit weißem Haar und fröhlichem Gesicht. Er kennt sich hier aus, denn seine Frau stammt von den Niederländischen Antillen. „Es ist auf jeden Fall besser, mit dem Bus oder mit dem Taxi zu fahren.“
Seine Frau, die eine flott aufgesetzte schräge Mütze trägt, bestätigt uns dies.

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Der Holländer deutet auf eine rotgestrichene Lagerhalle, von der der Putz in großen Stücken von den Wänden fällt.
“ 40% der Einwohner hier sind arbeitslos,“ erzählt er, “ aber die Armutsrate ist noch höher“.

Eine Gruppe junger Männer lungert zwischen rostigen Containern und Schrotthaufen herum. Sie beratschlagen etwas. Einer telefoniert.
Ihm gegenüber steht ein Junge mit verschränkten Armen, der zu uns herüberstarrt. Er trägt ein mit grünen Schnörkeln verziertes T-Shirt. Erst beim zweiten Hinschauen stelle ich fest, dass die Schnörkel Messerklingen sind.

Am Hafen steigen wir aus. Hier kann man das traditionelle Gericht „Kokosreis mit Tintenfisch“ kaufen und die wartenden Schiffe auf dem weiten Meer beobachten.