HeinilsehalbAm 06. August 1956 traten Heinrich und Ilse vor den Traualtar.  Die Glocken läuteten, eine strahlende Sonne zeigte sich am blauen Himmel und sechs kleine Blumenmädchen streuten Wiesenblüten auf den Weg.

„Es war Liebe auf den ersten Blick,“ erzählt Heinrich. „Ich sah Ilse zum ersten Mal auf einem Schützenfest. Sie saß mit einigen Freunden und Verwandten auf einer Bank. Ich konnte nicht aufhören, sie anzuschauen und als sich dann unsere Blicke begegneten, war es um mich geschehen.“

Das Foto, dass ich als Vorlage für diese Zeichnung erhielt, wurde an ihrem Hochzeitstag von einem professionellen Fotografen aufgenommen. Ein Termin in einem Fotostudio buchte man damals nur zu ganz besonderen Gelegenheiten. Und eine Hochzeit war und ist natürlich immer wieder ein ganz bedeutsamer Tag für zwei Menschen, die sich lieben. Auch heute noch.

Ilse trägt hier ein sehr elegantes weißes Kleid und dazu einen bestickten, duftigen Schleier, der in Kaskaden um ihr Gesicht  fällt und mit einem zarten Blütenkranz in ihrem apart frisierten Haar festgesteckt ist.
Heinrich steht dem natürlich in nichts nach. Mit seinem dunklen Anzug, der weißen Fliege und der mit Brisk perfekt zurückgekämmten Tolle sieht er cool und weltmännisch aus.
Ich bin sicher, damit und mit seinen strahlend blauen Augen hätte er jedem damaligen Filmstar Konkurrenz machen können. Keine Frage.

„Vor der Hochzeit gab es jedoch noch ein Problem,“ erzählt Heinrich weiter, “ das es zu lösen galt. Ilse wünschte sich nämlich einen Brautstrauß aus gelben Nelken. Den sollte sie natürlich haben, ganz klar. Denn schon damals konnte ich meiner Ilse keinen Wunsch abschlagen. Aber wo, um Himmels willen, sollte ich in unserer abgelegenden Gegend gelbe Nelken herbekommen? Gab es hier überhaupt irgendwo ein Blumengeschäft? Ich hatte keine Ahnung.“

Also begann Heinrich, sich umzuhören, Ratschläge und Tipps einzuholen, bis er schließlich in der 20 km entfernten Kreisstadt fündig wurde.

„Ein weiteres Problem war dann, den fertigen Brautstrauß rechtzeitig von dort abzuholen. Ein Auto hatte ich damals natürlich nicht und der Bus fuhr nur wenige Male am Tag.  Zum Glück besaß mein Freund Fred einen Roller, mit dem wir uns aufmachten, die Blumen abzuholen. Allerdings hatten wir nicht bedacht, dass so ein Brautstrauß doch recht unhandlich ist. Es war gar nicht so einfach für mich, der ich auf dem Rücksitz saß, einerseits den Strauß so auszubalancieren, dass er in Form blieb und keine Stängel oder Blüten abknickten, und andererseits selbst im Gleichgewicht zu bleiben. Denn ich konnte mich ja nicht am Vordermann festhalten. Also tuckerten wir im Schneckentempo über die Straßen. Ich glaube,“ lacht Heinrich, „wir haben dabei ein seltsam lustiges Bild abgegeben.“

Weil ich die Geschichte des Brautstraußes so schön finde, habe ich mir überlegt, im Hintergrund stilisierte Blüten  zu zeichnen, die das Brautpaar einrahmen.

*

Das obige Portrait von Heinrich und Ilse habe ich von Hand gezeichnet. Vorlage war ein altes S/W Foto aus dem Jahre 1957. Ich habe für die Zeichnung einen alten Füller, schwarze, dokumentenechte Tinte, diverse Farbstifte in gelb, ocker, siena und orange und einen weißen Pastellstift benutzt. Das Portrait ist inkl. Passepartout ca. 30 x 40 cm groß. Wer mag, der kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.