Egberthalb Im Jahre 1957, an einem kühlen Apriltag, wurde Egbert vor einer bröckeligen Ziegelmauer fotografiert. Wo diese stand und was sie umfriedete, ist nicht mehr herauszufinden. Auch nicht, wer dieses Foto geschossen hatte. Egbert war damals ungefähr 6 Jahre alt. Er trägt eine dicke, selbstgenähte Jacke aus grobem Wollstoff, deren große Karos an Sherlock Holmes und Nick Knatterton erinnern. Dazu hat er eine warme Strickmütze über die Ohren gezogen.

Egbert besaß ein eigenes Fahrrad der Bielefelder Marke Stricker, welches er heiß und innig liebte.

Natürlich war es ein altes, schon ziemlich ramponiertes Exemplar aus der Vorkriegszeit, welches in irgendeinem Keller gefunden und  Egbert großzügig überlassen wurde. Viel Staat machen konnte er damit nicht, denn der schwarze Lack war stumpf, der Stahl ziemlich angerostet und auch das Leder des Sattels war überall brüchig. Aber das war für ihn völlig okay, denn welches Kind konnte damals schon  mit einem nagelneuen Fahrrad herumkurven?

Glücklicherweise gab es in Egberts Nachbarschaft eine kleine Fahrradwerkstatt, die in einem Schuppen im Hinterhof betrieben wurde. Fast seine gesamte Freizeit verbrachte er dort, lernte Reifen zu flicken, den Stahl zu entrosten, für die Beleuchtung Kabel zu ziehen und auch den kompetenten Umgang mit der Mechanik und Technik.

Aus diesem Grund habe ich als Hintergrund des Portraits ein altes Fahrrad gezeichnet, das in etwa so wie Egberts Drahtesel ausgesehen haben könnte.
Auf der rechten Seite ist ein Zitat von Johann Heinrich Pestalozzi ( 1746 – 1827 ) zu lesen, nämlich:
„Wer sich heute freuen kann, der soll nicht bis morgen warten.“

Diesen Spruch habe ich aus einem bestimmten Grund ausgewählt. Denn wenn sich jetzt jemand beim Betrachten der Zeichnung fragt, was denn wohl aus Egbert geworden ist, ob er einen Beruf gewählt hat, der mit Fahrrädern zu tun hat, wie zum Beispiel Radrennfahrer oder Fahrradmonteur,  Fahrradpolizist oder ob er Inhaber eines Fahrradgeschäftes geworden ist, so muss man leider sagen: nichts von alledem.
Dazu kam es nicht mehr, denn unglücklicherweise ist Egbert schon sehr früh verstorben.
Freundlicherweise erlaubten mir seine Verwandten, das Portrait von ihm hier zu zeigen.
*
Das obige Portrait von Egbert habe ich von Hand gezeichnet. Vorlage war ein altes S/W Foto aus dem Jahre 1957. Ich habe für die Zeichnung einen alten Füller, schwarze, dokumentenechte Tinte, diverse Farbstifte in gelb, ocker, siena und orange und einen weißen Pastellstift benutzt. Das Portrait ist inkl. Passepartout ca. 30 x 30 cm groß. Wer mag, der kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.