LuisehalbDas alte s/w Foto der kleinen L., welches mir als Vorlage für diese Portraitzeichnung diente, stammt aus den frühen 50er Jahren.
L. trägt hier einen dicken Wintermantel mit Frischgrätmuster und ihre langen Haare sind ordentlich zu Zöpfen geflochten, so wie es damals üblich war. Zusammen mit acht (!) Geschwistern wuchs sie in einem abgelegenen kleinen Bergdorf in den Dolomiten auf, mit Blick auf die Berge Schwarz- und Weißhorn.
Darum habe ich mir gedacht, dass als Hintergrund ein stilisierter gelber Alpenmohn gut passen würde und dazu eine freundliche Bergziege, die neugierig um die Ecke schaut.

L. erzählt: „Schon als Kind liebte ich und liebe immer noch den Wald und die unberührten Wiesensteilhänge mit ihrer bunten Blumenpracht.
Die Natur dort oben mit ihren Blumen und Blättern, Tannenzapfen, Beeren und Pilzen und dem Wandel der Jahreszeiten – mit tiefem Schnee und eisiger Kälte im Winter und strahlend blauem Himmel im Sommer – oh ja, das war für uns damals die liebste Spielbegleitung.
Denn Spielsachen gab es ja kaum bzw. keine.
LuisemitkiepehalbSchon die kleinsten Kinder wurden mit „nützlichen“ Aufgaben betraut wie Äste sammeln, Holz aufstapeln, Hühner füttern, den Hof fegen und was sonst noch so anfiel.
In einer kleinen, geflochtenen Holzkiepe, so wie ich sie auf dem Foto trage, konnten wir Kinder alles mögliche sammeln und transportieren.
Aus diesem Grund gab es auch eigentlich nie richtig „Frei“-Zeit für uns, sondern wir spielten unterwegs auf Wald und Wiese, während wir zur Kirche oder zur Schule und wieder heim gingen.
Vogelstimmen nachmachen, aus Hölzchen und Tannenzapfen kleine Männlein basteln, Blumennamen erraten, schöne runde Steinchen sammeln, mit denen man wie mit Murmeln spielen konnte – das liebte ich.
Aber auch Ameisen beobachten, Grashüpfer und Frösche und Grillen fangen und dann wieder freilassen, Eichhörnchen beobachten, Erdbeeren und Nüsse sammeln, singen und pfeifen…“

Und, mag man sich jetzt vielleicht fragen, was ist dann später aus L. geworden?
Hat sie einen Beruf gewählt, der mit den Bergen oder der Landwirtschaft zu tun hat? Bergbäuerin vielleicht oder Bergführerin? Betrieb sie eine Alm oder vielleicht sogar eine Bio-Käserei? Wurde sie Bergforscherin, Skilehrerin oder Sennerin?
Nichts von alledem. L. ist später Sekretärin geworden.
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Das obige Portrait von L. habe ich von Hand gezeichnet. Dafür habe ich einen alten Füller, schwarze Tinte, Farbstifte in verschiedenen Gelb- und Braun-Varianten und einen weißen Pastellstift benutzt. Das Portrait bekam ein quadratisches, mattweißes Passepartout in der Größe 30 x 30 cm.
Wer mag, der kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.