DorishalbAus dem Jahre 1956 stammt das s/w Foto, welches mir als Vorlage für diese Portrait-Zeichnung diente.
Doris, so heißt dieses niedliche, kleine Mädchen mit dem eindrucksvollen Lockenkopf, war damals fünf Jahre alt. Sie trägt ein feines helles Strickkleidchen mit weißem Kragen und Schleife, so wie man es in der Mitte des letzten Jahrhunderts zu besonderen Gelegenheiten trug.
So eine besondere Gelegenheit war zum Beispiel der Weg zu einem professionellen Fotografen, um ein fachmännisches Foto anfertigen zu lassen. Das machte man nämlich nur recht selten.

“Oh ja,” erzählt Doris, “ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, für dieses Foto still sitzen zu müssen. Ich war nicht sehr begeistert davon. Und meine krausen Locken waren einfach nicht zu bändigen, so sehr meine Mutter es auch versuchte.“

Für Doris waren damals Puppen ihr Ein und Alles. Sie hatte eine ganze Sammlung davon und liebte es, sich Tag für Tag mit ihnen zu beschäftigen.
„Ständig spielte ich mit ihnen,“ erzählt sie weiter, “ich setzte sie nebeneinander auf kleine Stühlchen, die eine Schule darstellen sollten, kochte auf meinem kleinen Puppenherd für sie, fuhr sie spazieren, sang ihnen vor und zog ihnen hübsche Sachen an. Ich fand das großartig.”

Aus diesem Grund habe ich im Hintergrund zwei Püppchen gezeichnet, so wie sie damals in vielen Kinderzimmern zu Hause waren. Zu jener Zeit waren die Puppen meist aus Celluloid oder Tortulon, hatten keine „echten“, sondern aufgemalte Haare und zumeist auch starre, aufgemalte Augen. Denn „Schlafaugen“ aus Glas und mit Wimpern waren etwas ganz Besonderes. Die gab es in der Regel nur bei den teuren Porzellanpuppen, mit denen man nicht spielen, sondern die man nur anschauen durfte.

Da ich immer wieder gern einen passenden Text in die Zeichnungen einarbeite, habe ich auch diesmal einen ausgesucht, von dem ich denke, dass er gut geeignet ist.
Er stammt von Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827) und lautet:
„Der Mensch muss sich in der Welt selbst forthelfen. Dies ihn zu lehren ist unsere Aufgabe.“

Und, mag man sich jetzt vielleicht fragen, was ist dann später aus Doris geworden?
Hat sie einen Beruf gewählt, der mit Puppen zu tun hat? Puppenspielerin vielleicht oder Spielzeugherstellerin? Hat sie einen Spielwarengeschäft geführt oder ist sie Puppendoktorin geworden? Wurde sie Kindergärtnerin oder Erzieherin?
Das ist fast richtig. Doris ist später Lehrerin geworden.
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Das obige Portrait von Doris habe ich von Hand gezeichnet. Dafür habe ich einen alten Füller, schwarze Tinte, Farbstifte in verschiedenen Rot- und Braun-Varianten und einen weißen Pastellstift benutzt. Das Portrait bekam ein quadratisches, mattweißes Passepartout in der Größe 30 x 30 cm.
Wer mag, der kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.