Egonwalterrüdigertwhalb
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Mit Geschwistern ist das so eine Sache. Man kann sie sich nicht aussuchen. Geschwister lieben und hassen sich, manche vertrauen einander blind, andere sind und bleiben die größten Rivalen. Aber eines ist klar: Geschwisterbeziehungen können nicht beendet werden, sie wirken unterschwellig immer fort. Und das sogar dann, wenn vielleicht gar kein Kontakt mehr zueinander besteht.

Auf dem Foto aus dem Jahr 1961, welches mir als Vorlage für dieses Gruppen-Portrait diente, waren Egon, Walter und Rüdiger zwischen acht und elf Jahre alt. Ich mochte diesen Schnappschuss sofort, zeigt es doch die drei Jungs unverfälscht und authentisch in einer Alltagssituation. Sie tragen einfache Kleidung, selbstgestrickte Pullover und dazu Hosen, die wohl „auf Zuwachs“ berechnet waren – so wie es Mitte des letzten Jahrhunderts durchaus üblich war. Der Kleine beisst gerade in einen Apfel.

„Wir hielten uns die meiste Zeit draußen auf,“ erzählt Rüdiger, „natürlich auch bei Wind und Wetter. Wir stromerten stundenlang im Wald herum, zimmerten uns windschiefe Hütten aus alten Brettern und versuchten, den Bach aufzustauen. Außerdem schraubten wir ausgiebig an unseren alten Fahrrädern herum, wobei sich zeigte, dass Egon durchaus ein Händchen dafür hatte.“

Also könnte, so überlegte ich, für den Hintergrund des Portraits ein Naturmotiv passend sein. Ich wählte einen Ast, trockene Blätter, Wurzeln und ein Vogelnest als Hinweis darauf, dass sich die Jungs gern in der Botanik aufhielten.
Da ich immer wieder gern einen passenden Text in die Zeichnungen einarbeite, habe ich auch diesmal einen ausgesucht, von dem ich denke, dass er gut geeignet ist. Er stammt von Friedrich Rückert (1788 – 1866) und lautet: „Zur Weggenossenschaft gehören beide Gaben – nicht bloß ein gleiches Ziel, auch gleichen Schritt zu haben.“

Und, mag man sich jetzt vielleicht fragen, was ist dann später aus den Jungs geworden? Haben sie Berufe gewählt, die mit Garten, Landwirtschaft oder Natur zu tun haben? Landschaftsarchitekt vielleicht, Gärtner oder Tierwirt? Agronom oder Botaniker? Ranger? Nein, nichts von alledem. Einer der drei ist schon sehr früh verstorben, der andere geniesst sein Dasein als Lebenskünstler und der dritte wurde Steuerinspektor.
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Das obige Portrait von Egon, Walter und Rüdiger habe ich von Hand gezeichnet. Dafür habe ich einen alten MontBlanc-Füller, schwarze MontBlanc-Tinte, Faber-Farbstifte in verschiedenen Gelb- und Braun-Tönen und einen weißen PITT-Pastellstift benutzt. Da auf dem Portrait diesmal drei Personen zu sehen sind, statt wie sonst üblicherweise nur eine Person, habe ich ein rechteckiges Format gewählt. Das Portrait bekam ein mattweißes Passepartout in der Größe 30 x 40 cm.
Wer mag, der kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.