ElkehalbAus dem Jahre 1953 stammt das s/w Foto, welches mir als Vorlage für diese Portrait-Zeichnung diente. Elke, so heißt dieses niedliche, blonde Mädchen, war damals vier Jahre alt. Sie trägt einen kleinen Cape-Mantel mit passendem Hut, so wie man es in der Mitte des letzten Jahrhunderts chic fand.
„Oh ja,“ erzählt Elke, „ich musste immer ein Hütchen tragen, denn meine Mutter liebte das. Aber offenbar habe ich dadurch ein Trauma erlitten, denn ein Hut kommt mir nicht mehr auf den Kopf! Auf gar keinen Fall.“

Obwohl sie wie eine richtige kleine Prinzessin aussah, war Elke durchaus nicht das „klassische Mädchen“, das am liebsten mit Puppen spielte oder bunte Topflappen häkelte.
„Ich verbrachte meine Zeit am liebsten draußen,“ erzählt Elke weiter, „ich kletterte auf Bäume, raufte mit den Jungs und spielte Fußball. Aber vor allen Dingen liebte ich das Rollschuhlaufen. Ich fand das großartig.“

Aus diesem Grund habe ich im Hintergrund einen Rollschuh gezeichnet, so wie er damals üblich war. Zu jener Zeit fuhr man noch auf ratternden Eisenrollen, denn Gummi – oder gar Kunststoffrollen gab es erst später. Und von Stoppern war natürlich auch noch nicht die Rede.
Die fest an die weißen Stiefel montierten Rollen waren schon etwas Besonderes. Denn zumeist musste man damals die Rollschuhe mittels Spannbacken an die Schuhsohlen klemmen und dann mit Lederriemen festzurren. Das war jedes Mal eine Sache für sich, denn so richtig perfekt saßen die Riemen nie. Über kurz oder lang lockerten sie sich und man musste sie immer wieder nachziehen.

Da ich immer wieder gern einen passenden Text in die Zeichnungen einarbeite, habe ich auch diesmal einen ausgesucht, von dem ich denke, dass er gut geeignet ist.
Er stammt von Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900) und lautet:
„Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: Wir Kurzsichtigen! – Als ob wir in irgend einem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!“

Und, mag man sich jetzt vielleicht fragen, was ist dann später aus Elke geworden?
Hat sie einen Beruf gewählt, der mit Rollschuhlaufen zu tun hat? Rollkunstläuferin vielleicht, oder Wertungsrichterin oder Rollhockeyspielerin? Darstellerin bei „Starlight-Express“? Rolltänzerin?
Nein, nichts von alledem. Elke ist später chirurgische Arzthelferin geworden.
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Das obige Portrait von Elke habe ich von Hand gezeichnet. Dafür habe ich einen alten MontBlanc-Füller, schwarze MontBlanc-Tinte, Faber-Farbstifte in verschiedenen Blau- und Braun-Varianten und einen weißen PITT-Pastellstift benutzt. Das Portrait bekam ein quadratisches, mattweißes Passepartout in der Größe 30 x 30 cm.
Wer mag, der kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.