BarbarahalbAuf dem alten, sepiafarbenen Foto, das mir Barbara als Vorlage für dieses Portrait gab, steht das genaue Datum, nämlich der 20.09.1954. Barbara war damals knapp fünf Jahre alt.
Ja, so sahen Mitte des vorigen Jahrhunderts die kleinen Mädchen aus.  Sie trugen niedliche Schleifen oder Spangen im Haar, von der Mutter kunstvoll selbst gestrickte, bunte Norweger-Pullover und dazu hübsche Faltenröckchen und Kniestrümpfe.
Spielsachen waren damals Mangelware. Nur selten wurde etwas Neues gekauft, denn das Geld brauchte eine Familie für ganz andere Dinge.

In der Regel wurde das Spielzeug selbst gebastelt. Oft wurde es auch innerhalb des Verwandten- oder Freundeskreises weitergereicht, wenn die anderen Kinder zu groß dafür geworden waren.
„Aus einem Pralinenkarton habe ich mal ein Puppenbett fabriziert,“ erzählt Barbara, „denn meine Puppe Roswitha sollte endlich mal ein eigenes Bett haben. Ich liebte diese Puppe über alles und spielte ständig mit ihr. Sie hatte dicke braune Zöpfe, die man kämmen und in die man Haarschleifen einflechten konnte. Das Schönste aber war, dass sie Augen hatte, die sich öffneten und schlossen. Und jedes Jahr zum Geburtstag oder zu Weihnachten nähte ihr meine Mutter ein neues Kleid.“
Aus diesem Grund habe ich als Hintergrund des Portraits einen altertümlichen Puppenwagen gezeichnet, so wie ihn früher die kleinen Mädchen liebten.
Oben links kann man den Teil eines Kinderliedes aus vergangenen Zeiten lesen, nämlich: „Mein Püppchen, das lieb`ich – ich näh ihm ein Kleid – das darf nicht zu eng sein – und auch nicht zu weit.“

Und, mag man sich vielleicht fragen, was ist dann später aus Barbara geworden? Hat sie einen Beruf gewählt, der mit Puppen oder vielleicht auch mit Kindern zu tun hat? Kindergärtnerin vielleicht, Erzieherin oder Kinderpflegerin? Puppenspielerin oder Puppenmacherin?? Puppendoktorin?
Aber nein. Barbara ist später Steuerfachangestellte geworden..
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Das obige Portrait von Barbara habe ich von Hand gezeichnet. Vorlage war ein altes S/W Foto aus dem Jahre 1954. Ich habe für die Zeichnung einen alten MontBlanc-Füller, schwarze MontBlanc-Tinte, Faber-Farbstifte und einen weißen PITT-Pastellstift benutzt. Das Portrait ist ca. 20 x 20 cm groß. Wer mag, der kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.