VolkerhalbIm Jahre 1962, an seinem ersten Schultag, trug Volker einen niedlichen Anzug, bestehend aus taillenlangem Sakko und kurzen Hosen. Dazu ein weißes Hemd und sogar eine Krawatte nebst Einstecktuch. Natürlich auch weiße Kniestrümpfe und blank polierte Schuhe. Denn das war „ordentlich“, das war damals chic.
Genau so sollten Anfang der 60er kleine Jungs zu besonderen Gelegenheiten aussehen. Und ein erster Schultag war natürlich etwas Besonderes. Ganz klar. Meist wurde dann auch ein professionelles Foto gemacht und genau dieses Foto diente mir jetzt als Vorlage für das Portrait.

„Ich mochte die Schule,“ erzählt Volker, „ich machte das alles mit links. Hatte niemals irgendwelche Probleme damit.“
Zu Hause stellte ihm sein Vater, der Zimmermann war, eine riesige Holzplatte in das Kinderzimmer und baute mit ihm zusammen eine große Eisenbahnlandschaft mit einer Bergstrecke, mit Tunneln, Taleinschnitten, einem Fluss, Bahnhof und umfangreichen Gleisanlagen aus Metall.
„In meiner Erinnerung war das eine Großanlage, die die Hälfte meines Kinderzimmers in Beschlag nahm,“ sagt Volker, „es war großartig. Ich bekam dann eine elektrische Märklin H0, mit einer Diesellok der Baureihe V60 und eine Elektrolok der Baureihe E41 in blau. Dazu einen zweiständigen Lokschuppen.“
Aus diesem Grund habe ich als Hintergrund des Portraits ein alte Dampflok gezeichnet, so wie sie es in Amerika gab, nämlich vorn mit einem Schienenräumer.
Auf der rechten Seite ist der Teil eines Gedichtes von Louise von Plönnies (1803 – 1872) zu lesen:
„Rascher Blitz, der mich trägt, – Pfeilschnell, von der Glut bewegt,- Sausend durch des Tages Pracht, – Brausend durch die dunkle Nacht, – Donnernd über Stromes Schäumen, – Blitzend an des Abgrunds Säumen.“

Und, mag man sich vielleicht fragen, was ist dann später aus Volker geworden? Hat er einen Beruf gewählt, der mit Eisenbahnen zu tun hat? Gleisbauer vielleicht, Schaffner oder Werkmeister? Rangierer?
Aber ja. Volker ist später tatsächlich Lokführer geworden.
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Das obige Portrait von Volker habe ich von Hand gezeichnet. Vorlage war ein altes S/W Foto aus dem Jahre 1962. Ich habe für die Zeichnung einen alten MontBlanc-Füller, schwarze MontBlanc-Tinte, Faber-Farbstifte und einen weißen PITT-Pastellstift benutzt. Das Portrait ist ca. 20 x 20 cm groß. Wer mag, der kann zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.