VesmehalbVor einiger Zeit schlenderte ich durch eine Kunstausstellung, in der historische Kinderportraits aus dem 17. und 18. Jahrhundert gezeigt wurden. Für mich war das eine sehr lehrreiche und faszinierende Auswahl, denn mit dem Zeitalter der Aufklärung wurden die Kinder erstmals völlig anders dargestellt, als in den Epochen zuvor. Denn zuvor gab es keine „Kinder“. Nicht nach unseren Begriffen.
Jeder hat sie bestimmt schon einmal gesehen, diese würdevollen Kleinen, die wie seltsam unfertige Erwachsene wirken. Die starr und steif, gekleidet in luxuriöse Stoffe, aus den kostbaren Rahmen schauen.

Dagegen zeigten die Portraits, die in jener Ausstellung zu sehen waren, eine ganz andere, neue Sicht auf die Kindheit. Hier wurden die Kinder erstmals als Individuen dargestellt, mitsamt ihren kindlichen Ausdrucks- und Verhaltensweisen. Immer wieder schaute man in strahlende Augen, fühlte neugierige Blicke auf sich gerichtet, sah ein glückliches Lachen und frische, erhitzte Wangen.
„Wie niedlich!“ rief eine neben mir stehende junge Frau beim Anblick eines Geschwisterpaares, das mit einer Fasanenfeder spielte, begeistert aus.
Ja, gefällig waren die Bildnisse allesamt, lieblich und entzückend, und man kam nicht umhin, etwas von dem Optimismus der damaligen Zeit zu spüren.
Beeindruckt ging ich langsam von Bild zu Bild. Dabei fragte ich mich immer wieder, ob denn die dargestellten Kinder in jener Zeit das waren, was sie waren. Oder waren sie das, was die Eltern, bzw. der beauftragte Maler in ihnen sehen wollte?
Denn ist es nicht oft so, dass die Gesetze der Erwachsenenwelt die gemalte Kinderwelt nach ihren Vorstellungen zurechtrücken?
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Das obige Portrait von Vesme habe ich von Hand gezeichnet. Dafür habe ich MontBlanc-Tinte, Faber-Farbstifte in verschiedenen Rottönen und einen weißen PITT-Pastellstift benutzt. Das Portrait ist ca. 20 x 20 cm groß. Zur Großansicht bitte auf das Bild klicken.