hanghalb
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Die S., die einmal zum Abbau von inneren Spannungen an einem therapeutischen Dundumba-Trommelworkshop irgendwo in Niederösterreich teilgenommen hat, weiß natürlich, was das ist.  Und was das auf keinen Fall ist.  Sie weiß, dass das, was der auf einem Klapphocker sitzende junge Mann dort auf seinem Schoß hält, keine fliegende Untertasse ist.

Ich allerdings habe dieses silberglänzende Teil im ersten Moment für ein Ufo gehalten. Aus Stahlblech. Oder für einen Wok.  Mit Deckel. 
Denn gerade hatten wir in einem der Gässchen, die vom Rhein zum Dom und zum Bahnhof hin führen, in einem einfachen, pseudo-chinesischen Restaurant gegessen.  Das Gericht kam, wie gesagt, aus einem Wok, war ziemlich glutamat-haltig und das Kölsch lauwarm. Aber ich schweife ab.

„Das ist ein Hang,“ sagt die S., „darauf habe ich auch schon gespielt.“
„Hang?“ wiederhole ich vollkommen unnötigerweise, „eine Trommel?“ 
Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ich von Trommeln keine Ahnung habe.
„Nein, keine Trommel, ein Musikinstrument. Hang bedeutet Hand. Kennst du das nicht?“ Ihre Augenbrauen schießen in ehrlichem Zweifel in die Höhe.
„Hand?“
„Man spielt es mit den Händen und den Fingern. Darum heißt das so.“ 
Ihre eine Augenbraue sinkt zurück in die Ausgangsposition, während die andere wie ein stummer, geknickter Verweis in der Stirn haften bleibt.
„Hang?“
„Genau.“
Ich denke ein paar Sekunden lang über diese Informationen nach.
Sehe zu dem jungen Mann hin, der seine langen Rastazöpfe nach hinten wirft und sich in Positur setzt. Dann das Hang zwischen die Knie klemmt.
Ein zweiter Mann nimmt neben ihm Platz, hebt ebenfalls ein Hang auf seinen Schoß.
„Guck an, sogar zwei Hangs“, sage ich.
„Hanghang,“ sagt die S., „Plural.“
„Ahso.“
Dann warten wir.
Und dann hören wir zu.
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