Hüttehalb
*
Die Hütte passt sich so gut dem Gelände an, dass wir sie ohne die Hilfe des Bergführers nicht gefunden hätten. Sie klebt oben an der windgeschützten Ostseite des Gebirges, oberhalb der Baumzone.
Eine Frau in Thermohose und kariertem Herrenhemd steht auf der Terrasse, die Fäuste in die Seiten gestemmt. „Ihr seid früh dran…,“ sagt sie, „kommt herein.“

Ihr Mann steht drinnen und schärft ein langes Messer, indem er es in einem Bogen über den Wetzstahl zieht. Fast eine Kopie seiner Frau, registriere ich. Groß, kräftig, zupackend. Wahrscheinlich knapp fünfzig. Aber nur die Frau hat blondiertes Haar und trägt einen Nasenring.
Wir begutachten zwei Schlafzimmer, die nach Norden weisen, jeweils mit vier Schlafplätzen in zwei Kojen.  Der Wohnraum weist nach Süden und ist mit soliden Kiefermöbeln ausgestattet.  Es gibt einen offenen Kamin für die Gemütlichkeit und einen Ofen zum Heizen. Um die Wärme besser zu nutzen, führt das Ofenrohr erst an der Wand entlang, bevor es nach oben durch das Dach abknickt.
Wir setzen uns an den langen, abgenutzten Tisch, der vor dem Fenster steht. In die dicke Holzplatte sind Initialien und Sprüche geritzt worden.
Die Frau stellt Bier vor uns hin. Helles und Dunkles. Dazu Vollkornbrot, eine kleine Plastikschale mit marinierten Knoblauchzehen sowie ein paar gut bemessene Scheiben Schinkenspeck. Und ein großes Stück Käse.  Blaubeerkuchen.  Buttermilch.
Blaubeeren? denke ich und nehme zwei Knoblauchzehen. Sind die denn schon reif ? Hier oben?
Dann widme ich meine Gedanken anderen Dingen. Zuerst meinem rechten Ellenbogen, auf dem man immer noch die schmutzigen Reminizenzen eines Pflasters erkennen kann und dann der Variante einer Vier-Wege-Stretch-Trekkinghose, über die ich in einem Prospekt gelesen hatte und die es möglicherweise wert wäre, näher betrachtet zu werden.
*
Rosiepasthalb