Kinocentralhalb
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Das Kino heißt „Central“, und allein die Existenz einer derartigen Einrichtung in dieser verregneten Stadt in der tiefsten Provinz ist ebenso überraschend wie die Programmgestaltung.
Offenbar findet während des Herbstes etwas statt, das unter der Bezeichnung „Qualitätsfilmfestival“ fungiert, und als wir entdecken, dass in gut fünf Minuten die Vorführung von „KAOS“ der italienischen Brüder Taviani stattfinden wird, gibt es keinen Grund mehr zum Überlegen.
Wir betreten den kleinen Saal genau in den Moment, als das Licht herunter gedreht wird, aber es bleibt noch Zeit, den Rest des abendlichen Publikums mit einem Nicken zu begrüßen.
Dieses besteht aus sechs Personen, bequem auf die hintersten Reihen verteilt: vier Damen und zwei Herren – alle ein wenig in die Jahre gekommen, aber mit dem geläuterten, distinguierten Ausdruck im Gesicht, der bei echten Cineasten zu finden ist, wie wir zufrieden feststellen.
Mit einem Seufzer der Zufriedenheit lassen wir uns in die abgenutzten, roten Plüschsessel sinken.
Unsere Befriedigung wird nicht geringer, als sich herausstellt, dass kein einziger Werbespot gezeigt wird und der Film exakt zur angegebenen Zeit beginnt.
„Es gibt immer noch Körnchen von Qualität in dieser Welt,“ flüstert die E.  und reißt die Tüte mit den Salzmandeln auf.
„Stimmt,“ setzte ich hinzu,„sogar für zwei so blinde Hühner wie wir.“
Wir lachen und halten uns dabei die Hand vor den Mund.