Popolvuhhalb
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Der Z. ist ungefähr wie in den Sechzigern angezogen, und über dem verblichenen Cordsofa im Wohnzimmer hängt ein signiertes Poster einer Rockgruppe, die „Crown Of Creation“ heißt.
Es scheint mir nicht ausgeschlossen, dass der Z. mit einem dieser vier aufmüpfigen Jünglinge mit wüster Frisur und Zottelbart identisch ist, aber momentan bin ich nicht daran interessiert, diese Frage zu vertiefen.
Auf jeden Fall hat der Zahn der Zeit reichlich an dem Z. genagt. Seine Haare sind inzwischen nur noch an den Seiten und im Nacken lang, oben ist er ganz kahl.

„Ja, wie schon am Telefon gesagt,“ sagt er, als mein Begleiter und ich uns vorsichtig auf die roten Schaumstoffsessel setzen, „einhundert Euro.“
Er nimmt seine runde Brille ab und putzt sie mit einem Hemdzipfel. Das ist eine enge, geblümte Angelegenheit – ich meine mich an das Muster aus einem der Sommer 1968/1969 zu erinnern.
„Ist sie ein Original? Gut erhalten?“ fragt mein Begleiter, der früher ähnliche Hemden getragen hat.
„Eins A“, kontert der Z., „mint.“
Und setzt sich die Brille wieder auf. Offenbar ist er mit dem Resultat nicht zufrieden, denn er nimmt sie unmittelbar danach wieder ab und beginnt sie von neuem zu putzen.
„Wie schon gesagt, erschienen auf Pilz. Original,“ erläutert er.
„Okay, lass sehen,“ sagt mein Begleiter.
Der Z. setzt sich endlich seine Brille auf und beginnt nach der Schallplatte zu suchen. Sie liegt ganz oben auf einem der Fichtenholz-Regale. Mit einer gewissen Diskretion wischt er den Staub von der Hülle, bevor er sie dem Begleiter überreicht.
„Popul Vuh. Hosianna Mantra,“ sagt er, und möglicherweise ist eine Spur bescheidenen Stolzes in seiner Stimme zu hören, „Erstpressung. Made in Germany.“
Mein Begleiter sitzt schweigend da, wendet das Album hin und her, öffnet das Klappcover, schaut sich die Fotos an, fährt mit dem Finger über den Fliegenpilz-Aufkleber, nimmt das schwarze, glänzende Vinyl heraus und betrachtet es einige Sekunden lang intensiv.
„Hol mich der Teufel,“ sagt er dann, „all right. Ich nehme sie. Für einhundert Euro.“
„Deal?“
„Deal.“