Forveryounghalb
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Die E. und ich, wir gehen zu dem kleinen Kahn, der kieloben auf dem Gras oberhalb der Wasserlinie liegt. Wir drehen ihn vorsichtig um, und dabei kommen zwei Ruder zum Vorschein, die darunter gelegen haben.
Dann schieben wir das Boot langsam zum Ufer und lassen es zu Wasser. Die E. klettert mit den Rudern an Bord und überzeugt sich, dass es kein Leck hat.
Es wird nämlich nicht mehr so oft benutzt wie früher.

Sie legt sich in die Riemen und rudert uns über den See in Richtung Gilberg-Insel.  Segelboote, Kanus und alle möglichen anderen Wasserfahrzeuge schaukeln in dem sanften Wind auf dem Wasser, rechter Hand stehen ein paar Fischer und werfen ihre Leinen von der alten, gemauerten Brücke aus, und ein paar Kilometer weiter westlich johlen und planschen Kinder fröhlich an einem angelegten Badeplatz.

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Das sogenannte Date der E. hatte am Morgen angerufen und sich für das Wochenende krank gemeldet, wie sie erklärt, und dabei sieht sie so aus, als säße sie vor einem schlechten Fernsehkrimi.
„Wie lange schleppst du diesen Versuch eigentlich schon mit dir herum?“ frage ich.
„Seit ungefähr vier Jahren.“
„Hast du es nicht manchmal satt?“
„Ich nähere mich dem Punkt.“
„Und was dann?“
„Weiß ich nicht.“
„Nicht, dass du mir gleich ins Wasser springst.“
„Nein, nein,“ sagt die E. und lässt die Ruderblätter schleifen, „zum Springen bin ich zu alt.“
Darüber müssen wir beide lachen.
Dann holen wir ein Bier aus dem Rucksack, lassen den Schnappverschluss klacken und singen ziemlich laut und ziemlich falsch:
„May God bless and keep you always – May your wishes all come true – May you always do for others – And let others do for you – May you stay forever young – Forever young, forever young“….(Bob Dylan)

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