Katzemelonehalb
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Die B.  wohnt in einer engen Zweizimmerwohnung auf der rechten, also der falschen, Rheinseite. Die Enge resultiert nicht nur aus der relativ geringen Quadratmeterzahl, sondern in erster Linie daraus, dass die Wohnung vollgestopft mit Möbeln ist.  Als wäre sie aus einer Zehnzimmervilla hier eingezogen und hätte vergessen, einiges an Ballast abzuwerfen.  Was in gewisser Hinsicht auch stimmt.

Beim Betreten der winzigen Diele begrüßt uns sogleich eine der beiden Katzen, die rotgestreifte namens Heidemarie. Heidemaries Mutter heißt Frieda und kümmert sich in der Regel nicht die Bohne um den jeweiligen Eindringling.  Sie ist, laut der B., fünfzehn, fast sechzehn Jahre alt und begnügt sich damit, auf einem mit roten Quasten dekorierten Häkelkissen zu liegen und das Leben zu genießen.
„Setzt euch doch,“ sagt die B., „entschuldigt bitte die Unordnung. Aber ich habe keine Ausrede dafür. So sieht es hier immer aus.“

Mitten im Zimmer steht eine Staffelei mit einem großen, zur Hälfte fertigen Ölgemälde. Die Wände sind geschmückt mit Unmengen von Bildern, eins dicht neben dem anderen, von einer Wand bis zur anderen und vom Boden bis zur Decke. Ziemlich viele nackte Männer in allen möglichen Positionen und Varianten, aber auch die eine oder andere traditionelle Landschaft.
„Ich hatte mal ein Atelier,“ sagt die B. , „aber das kann ich mir nicht mehr leisten. Wie so vieles nicht mehr.“
Wir setzen uns auf die beiden Sessel aus Metall und Plastik. Zwischen uns ein Tisch aus ostindischem Sheesham. Die B. schiebt die Farbtuben, Pinsel, Zeitschriften, Taschenbücher und Gläser beiseite und stellt drei Tassen auf den Tisch.
Dann bringt sie eine aufgeschnittene Melone.
„Ich kann leider gar nichts anbieten,“ sagt sie, „nur Melissentee und Barolo. Oder Wodka.“
„Das ist doch perfekt,“ sagen wir.