„Ich versuche mal, es euch zu erklären,“ sagt die K., “ aber ich habe es früher schon mal versucht, und wenn ich mich reden höre, also, dann ist es niemals genau das, was ich eigentlich sagen möchte.“

Wir sitzen in der Glasveranda des Hauses von K.`s Mutter, in dem Raum mit den Avocadopflanzen, die diese aus den dicken, fettigen Kernen züchtet.  Es fängt an zu dämmern, und draußen regnet es.  Die K. hat am Fenster gestanden und in den grauen Nachmittag geschaut.  Jetzt wendet sie sich um und setzt sich uns gegenüber, die wir beide mit unseren Kaffeebechern auf dem voluminösen Sofa hocken.

„Ich glaube, das kommt daher, weil es so ein Gefühl aus dem Bauch ist, das dich am Ende dazu bringt, es zu tun.  Du triffst eine Wahl.  Tust du es nicht, dann kannst du eine Menge Gründe anführen, warum nicht.  Alle möglichen Gründe.“  Sie bricht ab, und ich sehe, wie sie sich konzentriert, wie sie sich bemüht, von dieser Geschichte, die ihr Leben verändert hat, so zu erzählen, dass wir sie auch verstehen.

„Ich wurde Nonne aufgrund einer Liebesgeschichte,“ sagt sie und zündet die dicke gelbe Kerze an, die in einem altmodisch gedrechselten Ständer auf dem Tisch steht.  Dann lehnt sie sich zurück.  Wir sind beide von der Stimmung eingefangen, vom ruhigen Klang ihrer Stimme und wie sie so dasitzt im ausgeleierten Pullover und in uralten Jeans, im grauen Licht, das von hinten auf sie fällt.

„Aber du hast dich entschieden, diesen Weg nicht bis zu Ende zu gehen, oder?“ frage ich. Ihre Reaktion kommt langsam, ein mild erstaunter Blick: „Ich wollte hinaus in die Welt. Ich muss gebraucht werden. Es gibt überall Menschen, die einen brauchen. Überall, wohin man schaut. “ Ich weiß, was sie als nächstes sagen wird.

„Ich brauche etwas, in das ich mich verlieren kann. Und das ist der Grund, warum ich nach Nicaragua gehen und dort helfen werde.“  Sie nimmt vorsichtig eine winzige Raupe von einem Avocadoblatt, setzt sie auf die Tischplatte und sagt: “ Oder wohin auch immer.“