Sie sei letztens ausgegangen,  erzählt mir die E. und rückt den Stuhl mit einem kurzen Kratzen an den Tisch, mit einer Kollegin, die sie eher flüchtig kannte, auf ein Konzert einer unbekannten Band in einem kleinen Club.  Die Musik hätte ihr nicht so sehr gefallen,  es wäre eine Mischung aus Kaschemmenmusik und Hinterhofgospel gewesen,  erzählt sie weiter, deshalb habe sie sich hinten an die Theke gesetzt und die Menschen angeschaut.  Besonders gefallen hätte ihr der Türsteher.  „He, guck mal!“  hätte sie dann der Kollegin zugeraunt,  „sieht der nicht ein bisschen aus wie Jon Bon Jovi?“ Und tätowiert sei er auch gewesen.  Ich nicke,  ich weiß,  was der E. an einem Mann gefällt.

„Und? Hast du mit ihm gesprochen?“  frage ich und schenke mir etwas von dem Piemonter Barolo nach.  Die E.  leert ihr Glas in einem Zug und verneint.  Vom Nebentisch schauen zwei ältere Frauen herüber.  Die eine hat dunklen Flaum auf der Oberlippe,  die andere ist in alle Richtungen ausufernd,  mit üppigem Haar,  das fast wie ein Motorradhelm aussieht.

Das habe die Kollegin übernommen,  sagt die E.,  hebt das Glas und lächelt ihrerseits den beiden Frauen zu,  die sich lautstark wieder ihren Spaghetti zuwenden.  Die E.  beginnt,  die Kapern einzeln von der Pizza zu pulen und erzählt,  dass ihre Kollegin seit jenem Abend mit dem Türsteher zusammen sei.  „Sie ist halt jünger als ich,“  sagt sie und hebt leicht die Schultern an.  „Und schlanker,“  fügt sie nach einer Weile hinzu.  Dann sieht sie prüfend auf  ihren Teller und schiebt ihn beiseite.