„Es gibt Menschen, die sind wie Zugvögel,“ sagt die E.  und rührt mit dem Finger in ihrem Pappbecher herum, “ die großen Schwärme ziehen immer nachts nach Norden oder Süden.“  Abgesehen von den vier glatzköpfigen und übergewichtigen Rockern,  die aus den 50er Jahren hervorgekommen zu sein scheinen,  sitzen ein paar Lastwagenfahrer im Raum.  Das Licht ist hart und hell.  Sie hocken über ihren leeren Tabletts, als würden sie schlafen oder über ihre eigene Sterblichkeit nachdenken.  Weiter hinten verheddert sich mein Blick an ein paar Mädchen, sehr jung, kaum mehr als vierzehn oder fünfzehn Jahre alt.  Sie sitzen da und flüstern,  biegen sich manchmal vor Lachen und flüstern dann weiter.  Ich denke an die unerschütterlichen Vertraulichkeiten, die man als Teenager austauscht.  Man gab ein Versprechen über ein Schweigen,  das man sofort brach,  man gelobte,  ein Geheimnis für sich zu behalten,  verbreitete es aber schon in den nächsten Minuten.  „Geschworen habe ich mir,  nie wieder etwas fertig zu machen,  nur um des Beendens Willen,“  sagt die E.  und schaut an die dunkel getäfelte Decke,  „irgendwann werde ich auch mal den Mut haben, mittendrin aufzuhören.“  Ich versuche,  den Kaffee zu trinken,  aber er ist zu bitter.

Später dann liegt das Auto gut auf der Straße,  die weißen Markierungen rauschen vorbei,  wir fahren über die Grenze und singen dabei „Heart of Gold“  –  ohne eines der Worte dieses alten Songs vergessen zu haben.