Stacie Collins & Band sind bis jetzt eine meiner Entdeckungen des Jahres. Wobei das Possessivpronomen da eigentlich nichts verloren hat, denn diese Entdeckung habe ich meinem alten Freund V. zu verdanken, der die drei CD`s der Dame aus Nashville schon seit langem in seinem Regal stehen hat. Whatever – diese Band bereitet uns also an einem der ersten Frühlingstage auch nach Verschwinden der zaghaften Sonne ein Highlight, nämlich eine knackige Mischung aus Blues- (Boogie) -Rock mit einer Prise Country. Und das wieder mal im „Spirit of 66“ in Verviers.

Dass Stacie, die Ehefrau des „Jason & The Scorchers“-Bassisten Al Collins, der hier neben ihr auf der Bühne steht, Bock auf Rock & Roll hat und die Hütte anzünden wird, ist gleich von Beginn an nicht zu überhören und auch nicht zu übersehen. Schon nach dem krachenden Opener „It Ain`t Love“ wirft sie das durchgeknöpfte knielange Kleid von sich und erfreut die zahlreich erschienenen Herren in den ersten Reihen mit einer knappen Jeansshorts, hohen schwarzen Stiefeln und schwarzem Spitzenoberteil. Wobei Stacie Collins beileibe nicht so ein Modepüppchen der neuen Blues- und Nashville- Generation ist. Nein, hier ist alles bodenständig, der Stetson auf ihrem Haupt hat schon bessere Zeiten gesehen und die bluesige Harp bläst immer wieder zum Angriff. Und wenn die Mundharmonica mal nicht so richtig will, wird sie mit Schwung in die Ecke geworfen: “Damned!“ Die Füße stehen nie still, da wird gestampft, gerockt, gehüpft und gesprungen. Dass dabei auch mal der Mikrofonständer zu Bruch geht und eilig repariert werden muss, ist egal. Y.E.A.H! Auch Adam Abrashoff an den Drums sitzt irgendwann nur noch im Feinripp-Unterhemd hinter seinem Schlagwerk, wobei ich gar nicht mitbekommen habe, wann er sich seiner Oberbekleidung entledigt hat.

Oh ja, die Protagonisten auf der Bühne feuern über zweieinhalb Stunden ein Feuerwerk der Rock`n`Roll Geschichte ab, seien es Songs wie „ „I`m Ready“- ein alter Blues-Klassiker, „Jumping Jack Flash“ und „Happy“ von den Stones, oder das fetzige „Lend TheDevil A Hand“.  Dabei lässt die atmosphärische Gesamtgestaltung auf der Bühne Assoziationen an stimmungsvolle Nashville-Bars und Rodeos aufkommen. Stacie, die nicht nur mit ihrer ausdrucksstarken, manchmal nöligen, manchmal bei den Country-typisch hohen Lagen knapp am Überschlag vorbeischrammenden Stimme, versprüht unentwegt gute Laune-Feeling. Und die umfangreich eingesetzten Gitarren-Soli des Tommy Daley kommen mit ständigem Steigerungseffekt daher, mal locker flockig, mal rotzig, dann wieder knallhart und treibend. Nur ein einziges Mal gibt es so etwas Ähnliches wie eine kleine Verschnaufpause, nämlich als die wunderschöne, am Herzen kratzende Ballade „Hurts To Breath“ angestimmt wird.

Die beiden Zugaben zum Schluß lassen es dann noch einmal so richtig krachen. Erst ACDC`s „It`s A Long Way To The Top“ und dann „Hell Raisers“ von ZZ-Top. Das ist alles bestens und wurde alles richtig gemacht! Von der Stacie Collins Band sowieso, von mir aber gestern auch.