„Go Music“ ist eine monatliche Konzertreihe, die es seit 15 Jahren (ja, wirklich) gibt und die zumeist in immer den gleichen Clubs in der gleichen Reihenfolge stattfindet. Der Organistor der Reihe, Martin Engelien, übernimmt jedes Mal die Bedienung des Bass`s.  Zusätzlich sind aber immer andere Kollegen dabei, nämlich solche, die zu den interessantesten Musikern der nationalen und internationalen Musikszene zählen. Auch diesmal wurde eine namhafte Besetzung zusammengestellt, die sich sogleich zu Beginn im „WineLive“ in Düsseldorf, einem Bistro mit Weinbar, in einem ausführlichen Instrumental vorstellte:

„Crazy“ Chris Kramer , der 2010 den Deutschen Blues-Award als bester Harp-Spieler erhielt, dazu am Schlagzeug ein  energiegeladener junger Mann aus Stuttgart namens Bene Neuner , sowie an der Gitarre Rocco Wiersch aus Dortmund, dessen musikalische Qualitäten ich schon seit längerem sehr schätze. Da auf der Einladungskarte ein Abend „unplugged“ angekündigt war, erwartete ich ein relativ ruhiges Konzert, bei dem man locker minutenlang vor sich hin träumen kann. Doch es kam etwas anders.

Martin Engelien führte sogleich mit Betreten der fiktiven Bühne einen regen Austausch mit dem Publikum. Und das ging den ganzen Abend so weiter, hier eine launige Ansage, dort eine Anekdote über Frikadellen und überraschende Hochzeitssongs. So entwickelte sich ein famoser Abend, die ungefähr 100 Besucher waren begeistert. Von den letzten Unplugged-Konzerten, bei denen ich anwesend war, war dieses das mit den meisten Händen in der Luft.
Und das ist kein Wunder, denn die vier Protagonisten gaben ordentlich Dampf. Das begann sogleich mit zwei der sich vor Jahrzehnten nachhaltig in Herz und Hirn geschliffenen Klassikern der Allmann Brothers, nämlich „Six Days On The Road“ und „Southbound“,  gefolgt von „Du musst gehn“ und „Sieben Kinder“ von Chris Kramer, der immer wieder, mit Verve seine Harp intonierend, gut gelaunt durch das Publikum spazierte. Ein Highlight für mich persönlich war natürlich „Voodoo Chile“, großartig und herzzerreißend mit Gitarre und Stimme vorgetragen von dem seine dunklen Locken schüttelnden Rocco Wiersch. Sensationell!

Man kann sagen, dass alle präsentierten Songs des Abends die Aufhänger waren für konsequente, freie musikalische Ideen und Improvisationen – jeder Musiker bekam dafür genügend Zeit und Platz. Eine tolle Sache, die die Anwesenden durch mehr oder weniger textsicheres Mitsingen und Mitklatschen honorierten. Das war besonders auch bei Rocco Wierschs Interpretation des Geschichten und Bilder rübertragenden Neil Young Klassikers „Keep On Rocking In A Free World“ oder z.B. bei dem als Schluss-Song präsentierten, mit wunderbar leichter Schwermut und warmer Melancholie geprägten „Free Bird“ von Lynyrd Skynyrd, der Fall.

Ja, das waren zwei Stunden beste Unterhaltung an einem Montag Abend mit einer tollen Besetzung in einem chicen, gemütlichen Lokal in Düsseldorf. Und auch das von mir geleerte Glas Grauer Burgunder war gut. Sehr gut sogar.