Deborah Coleman & Band

Deborah Coleman & Band

Das kann nur gut werden, das muss es, denn immerhin hab ich ja schon seit einigen Tagen die Live-CD von Deborah Coleman „Soul Be It“ in meinem Player liegen. –  Ich schau mich um, mittlerweile ist es ziemlich voll in der Halle, sogar unerwartet voll, aber nicht unangenehm drängelig, und in der chilligen Lounge sitzt nun auch fast niemand mehr. Um zwanzig vor zehn wird es dann endlich dunkel auf der Bühne, ein bisschen blaues Licht nur, und die Herren Innis und Palatin und der Andere, dessen Namen ich nicht weiß, treten nach vorn, nehmen jeder sein Instrument in die Hand, bzw. nehmen hinter ihm Platz, ein kurzes sattes Intro, ein kleines musikalisches Geplänkel, ein Hey! ins erwartungsvolle Publikum und dann kommt Deborah Coleman. Deborah.. D.E.B.B.I.E.! Sie trägt ein Leoparden-Shirt, hohe Absätze und ihre glänzenden Haare zu tausend Zöpfen geflochten und sie hängt sich ihre Gitarre um und fängt an zu spielen und der Zug nimmt augenblicklich Fahrt auf und ich bin hin und weg, weil ich kaum glauben kann, dass das jetzt alles echt ist. „What comes around“, singt sie,  schickt dabei irre fliegende Gitarrenriffs ins begeisterte Publikum und der brillante Herr Palatin, im dunklen Muscle-Shirt hinter dem donnernden Schlagwerk kocht pausenlos die Trommelschläge höher, um die Funken überspringen zu lassen. Was nicht schwer fällt. Nein, absolut nicht. Rechts von mir setzt der mächtige sechssaitige Bass  ein,  bedient vom eindrucksvollen Roger Innis, der breitschultrig, muskulös, stiernackig, glatzköpfig und mit Reihen von blitzend weißen Zähnen, lässig, cool und mit minimalistischen Bewegungen, fast wie beiläufig agiert. Phantastisch!  Ja,  unaufhaltsam geht es los und als dann der laute Teil vom 10-minütigen „I am A Woman“ ( erinnert mich ein wenig an ein ironisches Gegenstück zu der Muddy-Waters-Hymne „I’m a Man“) kommt, da wird richtig noch mal was draufgepackt, frenetischer „Szenenapplaus“, 200% Aufmerksamkeit, das Publikum explodiert und was immer jetzt da angefangen hat, es hört die nächsten eineinhalb Stunden nicht mehr auf. Satt und saftig, virtuos und nur Armeslänge von mir entfernt, beschallen die Bandmitglieder das Publikum und die Herren Palatin und Innis bekommen ihre „five to ten minutes of fame“ in Form von emsig beklatschten gänsehauterzeugenden Soli, es ist alles da,  es gibt viel zu sehen auf und vor der Bühne und dann auch noch dick was aufs Ohr. Oh, welch schönes Leben, welch schöne Welt!  Und auch die etwas leiseren Sachen verzaubern, sind seelenreich und intensiv gespielt. Ich kann kaum beschreiben, welche Atmosphäre diese Band entwickelt, kann kaum beschreiben, wie

Deborah Coleman

Deborah Coleman

charismatisch Debbie Coleman ist, wenn sie so voller Seele ihrer Gitarre Töne entlockt und das Auf und Ab von Herzensangelegenheiten besingt, meilenweit entfernt und doch ganz nah, und dabei Roger Innis gewisse Blicke zuwirft – ja, keine Frage, da ist chemistry zwischen den beiden, und die kann man sehen. –  Insgesamt waren das 90 starke, intensive und lebendige Minuten auf den Punkt, mit einem meiner Meinung nach besonders hellen Stern am weiblichen Blues-Firmament,  aber dann ist das Publikum erst mal kaputtgespielt, Hitze und Erschöpfung allenthalben und ein durstiger Treck bewegt sich zu der langen Theke hin.

Liebe Debbie, liebe Band, das war sensationell, vielen Dank.