Tineke Schoemakers

Tineke Schoemakers

Nein, ich habe wirklich noch nicht so oft gesehen, dass ein Musiker auf der Bühne begeistert seine Gitarre küsst. Guus Laporte macht das – er küsst seine Fender nach dem großartigen Song „Sally go round the Roses“ und dann noch einmal nach „Tell me more“ und später dann noch einmal.  –  Aber eigentlich müsste die Vorstellung der bereits 1974 gegründeten  Band „Barrelhouse“ mit der charismatischen Tineke Shoemaker (Gesang) beginnen, oder mit Janwillem Sligting ( Fenderbass, Harp, Kontrabass, Akkordeon), oder mit Johnny Laporte an der Gibson oder mit Han van Dam am Piano oder vielleicht doch mit Bob Dros an den Drums, denn was jeder einzelne dieser sechs Holländer aus Alkmaar und Amsterdam an diesem Abend präsentiert, ist von aller erster Güte und das Gehör nachhaltig bereichernd.   –  Wie außergewöhnlich und beseelt doch ihre Version von „Hard Time Killing Floor“ ist –  zu Beginn nur mit Stimme und Kontrabass dargeboten, und wie unglaublich hypnotisch und schleppend dann durch den Einstieg der beiden fetten Gitarren und des tollen Piano! Oh ja, das ist wahrlich ein atemloser und mitreissender Abend, musikalisch über zwei Stunden lang auf den Punkt gebracht, dazu abwechslungsreich in Tempo, Instrumentierung, Soli und Atmosphäre, und dabei fällt nichts auseinander oder verdröselt sich, es ist ein perfektes und stimmiges Konzert von einem kompakten Bandgefüge.  –  Unübersehbar ist auch, dass Konzerte dieser Güte nun mal wirklich körperliche Arbeit sind, Guus Laporte hängt sich griffbereit ein Frotteetuch um den Hals, und Bob Dros, in Ermangelung desselben, muss sich immer wieder mit seinem klatschnassen Shirt das Gesicht abwischen.  –   Klar, solche Konzerte sind Anstrengung, und dass das Konzerterlebnis der Auftretenden mit dem der Zuschauer offensichtlich kongruent ist, zeigt sich dadurch, dass es ordentlich Gehüpfe im Publikum gibt, Gejohle, Mitsingen, Pfeifen, Klatschen, Biergläserheben und dass der ein oder andere, zu Anfang noch in dicker Jacke, diese im Laufe des Abends irgendwo auf einen Stuhl, Hocker, in der Ecke der Bühne oder auf dem Boden ablegt.
Und wer Grundkenntnisse im Headbangen oder Luftgitarrespielen hat, der war hier sowieso genau richtig.
Wenn also Barrelhouse das nächste Mal nach Good old Germany kommen, muss ich ganz dringend wieder dabei sein!