Julian Sas

Julian Sas

Der Sommer verweht seine letzten warmen Lüftchen und knappe Tops, tätowierte Waden und Treckingsandalen schmücken das Festivalgelände im Openluchttheater De Doolhof, während des Bluesrock Festivals in Tegelen.  –  Eine außergewöhnlich schöne Location ist das, ein bisschen wie ein überdachtes Amphitheater, auf dessen roten Schalensitzen man es sich bequem machen kann, dazu gibt es allenthalben eine entspannte Atmosphäre, glücklich lächelnde Leute, die auf dem Gelände zwischen den diversen Ständen bummeln und Sate Spiesse essen oder mit einem Bier in der Hand auf der Treppe in der Sonne sitzen….ja, was will man eigentlich mehr an einem lauen Septembertag?

Und dann, am Sounds-Pavillon, sehe ich David Gogo aus Kanada vor den Regalen stehen, konzentriert mit Suchen und Gucken beschäftigt, die Hände voller CDs und DVDs, und ich erinnere mich, dass er, vor etwas mehr als einem Jahr in ungefähr gleicher Position in der unteren Etage im Sounds in Venlo stand und lachend zu uns sagte: „ Das wird ein teurer Gig für mich…“ Das ist natürlich nur logisch und konsequent, klar, denn so ist es immer im Sounds.  –  45 Minuten hat David Gogo heute auf der Bühne zur Verfügung, schade, denn ihn hätte ich gern wieder mal abendfüllend erlebt.  Im bestickten Hemd kommt er seiner Aufwärmpflicht ganz wunderbar und zur allseitigen Zufriedenheit nach.  Er präsentiert eine Reihe Songs von seiner neuen CD, so zum Beispiel „Gunslinger“ und dann noch „Lies“, und die Herren auf, und die Zuhörer vor der Bühne haben ihren Spaß dabei.  Ja, man mag sich, gern sogar, sehr gern, es passt auf jeden Fall schon alles so.  –  Der Nachmittag lockt dann mit einem Bandnamen, den ich zumindest schon mal gehört habe: James Hunter . Zunächst gilt es aber das Konzert einer Band namens Th`Legendary Shack*Shakers zu überstehen. Heftig!  Ein sympathisches Quartett, das alles dem Erdboden gleich macht. Wennschondennschon.  Bluegrass, Polka, Blues, Ska, Punk, Rock und alles, was sich musikalisch irgendwie umsetzen lässt von kerligen Jungs aus Amerika, die ordentliche Frisuren tragen und schwarze Shirts.  Das Publikum zeigt sich euphorisch, kollektivklatschend und hopsend.  Wie gesagt, ich hab keine Ahnung.  –  Aber dann….immer und immer wieder gern gesehen… treten Julian Sas, Tenny Tahamata und Rob Heijne auf die Bühne, tight, laut, energetisch und voll von dieser einen Art Live-Wahnsinn, die eine Band nur durch ausdauerndes und routiniertes Touren bekommt. Und dann hauen sie rein. Und wie sie das tun.  Das geht ununterbrochen so weiter, „I Take What I Want“ gibt es zu Ehren für Rory Gallagher zu hören und dann aber auch zum Beispiel“ The Devil Got My Number“,  bis sich dieser treibende Rhythmus unweigerlich und unaufhaltsam in wirklich jedermanns und jederfraus Gehörwindungen geschoben hat.  Auch diese Band hätte ich gerne abendfüllend erlebt.  –  Ja, er ist ein wirklicher Glücksfall für dieses Festival, dieser Mann aus Leeuwen, denn fast sämtliche Besucher des Konzerts hängen und drängen jetzt vorne an der Bühne, ein großes Fest allenthalben, auch die Band selbst freut es sichtlich, emsig wird aus allen Richtungen, in alle Richtungen, gefilmt und fotografiert.  Das scheint er zu mögen, der Julian.

Anschließend spielt dann der große Cuby Muskee mit seinen Blizzards zum Tanz auf. Diesem Mann bringe ich größten Respekt entgegen, für seine Arbeit, seine Songs, fürs Überleben.  Denn seit den 60er Jahren ist dieser Herr, der auch einmal Hermann Brood in seine Band holte, musikalisch unterwegs.  Mit großer Würde und ungebrochener Energie bringen Cuby und seine Kollegen hier in Tegelen ein Live-Konzert der hohen Klasse dar. Obwohl, diese sieben engagierten Herren sind nicht ausgelassen, zwar lässig, aber gleichzeitig auch konzentriert; es ist eher ein Arbeiter-Gig, so scheint mir, von einer gediegenen Elektrik und Bläsersätzen durchzogen, bemüht „to make the magic happen“, und trotzdem ist dieser Auftritt für mich äußerst spannend und frisch, ganz besonders „Appleknocker`s Flophouse“ ist mir in allerbester Erinnerung geblieben. – Hach, die Zeit vergeht so schnell an diesem Tag, und schon bald steht die Endgruppe an, der Schlußact, sie kommen mit Geige, Kontrabaß, Banjo, Gitarre, Key und Schlagwerk auf die Bühne und dann plötzlich brüllt, scheppert, kreischt, dröhnt es, unglaublich laut, die ersten Sekunden denke ich, ich bin im falschen Film, was ist das, Metal? Country? Punk?
Die Jungs von Hank III & Assjack tragen Westernhüte und Caps, aber diese Musikkategorie kann ich nicht.  Und dann, dann rocken sie los, krawallig, schräg, keine Ahnung, Noiserock, Dub, Interpunkbluesrock oder so, woaha.

Ja, und dann ist es für uns wieder mal vorbei, das Bluesrockfestival in Tegelen, wir gehen die Treppe hinunter und hinüber zum Parkplatz, wo die Leute auf der Wiese vor ihren Zelten sitzen. Schön war es, spannend und entspannend. – Ich habe sogar entgegen aller Vorsätze ein Glas holländisches Bier getrunken, mir endlich die „Hard Again“ im Sounds-Pavillion gekauft, mich über das

Cuby & The Blizzards

Cuby & The Blizzards

Wollen und Nichtwollen unterhalten und darüber, dass ich im vorletzten Jahr hier Danny Bryant kennengelernt habe, und dass es manchmal nur ein einziger Gedanke oder eine einzige Begegnung ist, die dem Leben eine neue Richtung gibt, ja, darüber haben wir auch sinniert. Noch später dann, wieder zuhause, lege ich, aus Nostalgie, ob der guten alten Zeiten, noch eine Vinylplatte auf, „Am I Here“ von Johnny Winter Live, ja das passt irgendwie und alles ist schön und gut, und ich bin zufrieden mit der Welt und mit allem.
Danke dafür.