Gregor Hilden

Gregor Hilden

Der historische Marktplatz war voll, gestern Abend, so richtig rappelvoll, und die Stimmung war bereits super, schon bevor einer der herausragenden deutschen Jazz-und Bluesgitarristen, nämlich Gregor Hilden  mit seiner Band, unterstützt von der großartigen Sängerin Harriett Lewis auf die Bühne kamen.
„Are we ready?“ fragte dann Harriett Lewis ihre Kollegen, und „Are You ready?“ rief sie in die Zuschauermenge, als sie um viertel nach neun voller Power und Elan auf die Bühne sprang, bereit, gemeinschaftlich und gutgelaunt mit Blues, Soul und groovigem Jazz den Konjunktiv nieder zu prügeln.
Ja, genau so sollte es sein, und so war es gedacht, nicht nur mit zum Beispiel dem wunderbaren Song „Summertime“ der so perfekt passte zu diesem lauen Abend, an dem sich der Vollmond hinter ein paar Wölkchen versteckte, sondern alles eben so war, wie es gewünscht war und sein sollte, und das den ganzen Abend lang.

Es sollte so sein, dass Gregor Hilden gleich zu Beginn eine Saite seiner leuchtenden Goldtop riss, dass die famose Harriett Lewis nach etwas mehr als einer Stunde dann doch ihre gefährlichen High-Heels gegen bequeme, gut gebrauchte Sneaker tauschte, dass ihr knack-enger Rock das rocken, tanzen und hüpfen bis zum Schluss aushielt, obwohl ich nicht darauf gewettet hätte und dass sie mit ihrer powerful großartigen Stimme das Publikum völlig mitriss.
Ja, denn dass, was die Band da vorne ablieferte, war ein amtliches Brett: die Songs waren kraftvolle Nummern, die Zwischenmoderation von Harriet Lewis manchmal politisch, nie humorlos, immer raffiniert, die Musiker gingen punktgenau nach vorn, waren großartig im Zusammenspiel, und Dülmen City rules – ja, tatsächlich.
Und dass sie viele alte Klassiker spielten, total old school, wie z.B. „Papa Was A rolling Stone“ oder „Old Time Rock`n Roll“, klar, das war etwas, bei dem fast das ganze Publikum mitsingen konnte. Ich natürlich auch. Selbstverständlich.

Harriet Lewis

Harriet Lewis

Es sollte so sein, dass die Mädels und Jungs aller (!)  Altersklassen in den ersten Reihen so ausgelassen tanzten, dass die Jacken ausgezogen und vor der Bühne gemeinsam auf einen großen Haufen geworfen wurden und die Pärchen vorne rechts nicht aufhören wollten zu knutschen.
Dass da die ganze Zeit ein farbvariantenreiches psychedelisches Lichtwerk über den Bühnenhintergrund waberte, und Harriet Lewis zum Schluss von einer begeisterten Zuschauerin einen riesigen roten Kaugummiautomaten-Glitzerring geschenkt bekam. Auch das sollte und musste so sein.
Und dass Gregor Hilden eine wunderbar Steve McQueen- mäßige Lederjacke anhatte und der blonde Münsteraner Sascha Oeing so emotional wie perfekt den Bass rockte, und der Professor am Institut für Musik der Fachhochschule Osnabrück, Volker Winck, am Saxophon nie seine Sonnenbrille abnahm und der Essener Folkwang-Professor Thomas Hufschmidt so fein die Tasten spielte, und sie alle doch irgendwie der großartigen Frontfrau Harriet Lewis die Bühne überließen, auch das sollte so sein.
Wie eben alles.
Ja, und das war gut so und genau richtig, wie überhaupt dieser ganze Abend.
Perfekt.

Übrigens: die Fotos habe ich selbst geknipst ( Copyright).