Ticket Bruce Springsteen

Ticket Bruce Springsteen

„This is a perfect night to play“!
Das ruft uns Bruce Springsteen von der riesigen Bühne aus zu, die  im Licht der schrägstehenden Sonne aufleuchtet und wir sind sicher, dass sie kaum perfekter sein kann, diese heisse Donnerstag-Nacht und das hat ebenso mit der Wucht der großartigen Songs zu tun, die wir nun non-stop zu hören bekommen, wie auch mit den schwülen Temperaturen, dem Postkarten-Sonnenuntergang und letztendlich dem klaren Regenbogen, der sich über das Stadion wölbt.
Oh ja, Live rockt Bruce Springsteen am besten.
Da kommt keine CD oder DVD im Wohnzimmer mit, so laut man sie auch stellen mag, das wird mir wieder mal klar, als Bruce mit den ersten Tönen von „Badlands“ und gleich anschliessend übergangslos mit Krachern wie „Lucky Day“ und „Hungry Heart“ uns Zuschauer von null auf hundert bringt und uns mitreisst durch drei Stunden ununterbrochen massiven Sound.
Ich kenne kaum einen Musiker, der so eine charismatische Bühnenpräsenz hat und der so interaktiv und mit soviel Nähe zu seinem Publikum agiert wie Bruce Springsteen.
Auf Augenhöhe sozusagen.
Er sammelt Zettel und Plakate mit Songwünschen ein, läuft unterhalb der Bühne hin und her, lässt einen kleinen Jungen, der auf den Schultern seines Vaters sitzt, den Refrain singen, erzählt Geschichten, legt sich ganz nah vor den Zuschauern auf den Rücken oder lässt sich vis-a-vis auf die Knie nieder und gegen Berührungen und Umarmungen hat er überhaupt nichts einzuwenden.
„Spirit in the Night“ steht auf dem ersten Plakat, welches er von einem begeisterten Zuschauer entgegennimmt und Clarence Clemons, diesmal ganz in schwarz gekleidet, rückt an seinem Hut und schüttelt strahlend seine ellenlangen Dreadlocks.
Ich zum Beispiel hätte ein Plakat mit „Sandy“ oder „Outlaw Pete“ hochgehalten, wenn ich eines dabei gehabt hätte, aber das brauchte ich gar nicht, denn unter den Stücken der neuen CD „Working On A Dream“, die dem 2008 verstorbenen Keyboarder der E Street Band Danny Federici gewidmet ist, bekommen wir diese Underdog-Ballade sogar mit einem wahrlich gänsehauterzeugenden „Spiel mir das Lied vom Tod“- Zitat von einem mit ausgebreiteten Armen in der Dämmerung stehenden Bruce Springsteen präsentiert.
Ganz still wird es dann später dann bei „This Hard Land“, für mich neben „The River“ an diesem Abend einer der emotionalsten und herzergreifendsten Songs, von Bruce Springsteen so kratzig und episch vorgetragen, dass ich manches Mal schlucken muss und sogar die tätowierten Jungs neben mir ergriffen ihre Biergläser abstellen, die Arme heben und mitsingen „Stay hard, stay hungry, stay alive if you can – and meet me in a dream of this hard land.“
Mit jaulenden Gitarren und einem breitbeinig agierenden Little Steven, der fulminant in die Saiten drischt, geht es dann mit „Glory Days“ und „Dancing in the Dark“ weiter durch die Nacht und wer nicht diese Raubtierenergie von Bruce Springsteen hat und es nicht schafft, trotz gelgepolsterter Nike-Sneakers den ganzen Konzertmarathon über zu springen, zu tanzen und die Arme zu schwenken, der singt zumindest mehr oder weniger textsicher mit, lässt sich, energetisch aufgeladen, von der Wucht des Sounds, des Songwriting und der puren Lebensfreude mitreissen und ist spätestens beim Überstreifen des neuen Tourshirts nach Ende des Konzertes überzeugt davon, dass dieser Abend genau das absolut richtige für diesen Abend war, so wie er war.
Und das es an diesem Abend nichts Besseres hätte geben können.
Und überhaupt.