Tad Robinson kann eine ganze Menge: nicht nur großartig den zeitgenössischen Soul-Blues singen und klasse Mundharmonika spielen, nein, er kann selbige auch zwischendurch mal so nebenbei, quasi aus dem Handgelenk, in die Luft werfen und wieder auffangen. Und das ohne hinzusehen. So scheint es mir jedenfalls. Neben ihm, der in einen legeren nussbraunen Business-Anzug mit passenden Schuhen und frischgebügeltem Hemd gekleidet ist, steht seine All-Star Band, nämlich Alex Schultz (g), Steve Gomez (b) Robb Stupka (dr) und Kevin Anker (k) auf der Bühne. Nein, der Herr Robinson ist wahrlich nicht besonders groß von Gestalt, er schaut auch nicht besonders kräftig aus, aber seine begnadete Stimme ist voll Volumen, druckvoll und warm und  in den höheren Tonlagen glasklar.  Er erfreut und überrascht uns mit wunderbaren und hochkarätigen Songs,  so zum Beispiel mit einem gänsehauterzeugenden  „Long Way from Home“, so dass ich völlig nachvollziehen kann, dass das aktuelle Album „A New Point of View“ im letzten Jahr als „Soul/Blues Album of the Year“ ausgezeichnet wurde. Gleichzeitig räumte Tad Robinson auch noch als erfolgreicher Mundharmonikaspieler den „Soul/Male Artist of the Year“ ab.  Und auch diese Wahl unterschreibe ich mit ganz dicken Buchstaben.

Das tun natürlich auch die Zuschauer, die, in einem entspannt-erregten Aufmerksamkeitsmodus, seine mächtige, aufwühlende Stimme und sein ausgefuchstes Bluesharpspiel mit johlendem Beifall, Trampeln und „Yeah“-Rufen honorieren. Ja, denn wem etwa bei “Ain`t That Loving You (For More Reasons Than One)” von der oben angeführten aktuellen CD das Herz nicht anfängt schneller zu schlagen, hat wahrscheinlich ein selbiges aus Stein. Keine Frage, der Band gelingt es fulminant,  mit dieser kraftvollen Mischung aus Chicago-Blues und Memphis Soul,  eine durchweg groovende Stimmung vom ersten bis zum letzten Song zu erzeugen. „Oh Mann,“ seufzt der neben mit stehende Graulockige und holt tief Luft, „phantastisch! Da werden Erinnerungen an Robert Cray und Otis Redding wach….“

Ja, und oft ist ja so, dass, je schöner eine Veranstaltung ist, desto schwieriger wird es, sie gekonnt abzurunden.  Die Band hat ja zum Beispiel die Möglichkeit des sofortigen Rückzugs, also ab hinter die Bühne Backstage.  Oder aber – und so machen es Herr Robinson und seine Jungs – man mischt sich anschliessend unter das Publikum, schüttelt Hände, signiert CDs und Plakate ( so auch ein in meinem Besitz befindliches), gesellt sich zu den Zuschauern an der Theke und fachsimpelt ein wenig mit denjenigen herum, die noch mehr als eine halbe Stunde nach Beendigung der Veranstaltung rumstehen.

Ja, für solche Abende sollte man sich wirklich bedanken, sie bereichern das Leben.  (Also Danke Tad Robinson und Band.)