„Good evening, Ladies and Gentlemen, my name is Mitch Ryder, I‘ m from Detroit and this is the Engerling Band!“

Ein bisschen wie mein alter Freund Van „The Man“ Morrisson sieht der Herr Ryder aus, als er gelassen auf die Bühne tritt:  kompakte Figur, Ray-Ban Sonnenbrille, schwarzer Hut und dunkelgraues Sakko. Dazu sparsame, ein wenig schrullige Bewegungen. Und im Tourgepäck die brandneue blues-getränkte CD: „Deserve my Art“, herausgegeben vom Buschfunk, denn an diesem Abend werden nicht nur die allseits geschätzten, betagten Selbstläufer-Titel präsentiert, sondern auch einige der neueren und neuesten Produktionen. Insgesamt eine Setlist wie aus einem Guss.

Trotzdem seit seinem legendären Auftritt im ARD-Rockpalast mittlerweile ungefähr 30 Jahre vergangen sind, braucht er sich beileibe nicht hinter seinen früheren Erfolgen zu verstecken. Denn das nebelige Vibrato in der Stimme, das so anrührend an meinem Herzen kratzen kann, lauert noch genau so hinter dieser imaginären, dunklen Ecke, oder nein, erscheint sogar noch hingebungsvoller und rauer. Wann habe ich jemals solch ein beseeltes, gänsehauterzeugendes „Gimme Shelter“ gehört? Und ja, dass er seit längerem mit Engerling fest liiert ist, kommt uns, dem höchst begeisterten, hauptsächlich aus gut gelaunten Herren mittleren Alters bestehenden Publikum natürlich zu Gute. Keine Frage. Ohne Mätzchen und ohne Firlefanz bedienen die gestandenen Jungs gekonnt ihre Instrumente, und das gibt erdig und kraftvoll einen satten, leicht retro angehauchten Sound. Besonders erfreulich: eine so richtig fette und saftige Gitarre bei „War“ – von einem seine graue Matte schüttelnden Heiner Witte. Hit happens!

Kaum jemand in meiner unmittelbaren Umgebung, nämlich der 1. Reihe vor der Bühne, der dann beim seelenreichen „Ain`t Nobody White ( Can Sing The Blues )“ mehr oder weniger textsicher seine mehr oder weniger rustikale Stimme erhebt. Spätestens ab dann hat Mitch Ryder sein Publikum fest im Griff. Auch die, die sich bisher in der Beobachtungsphase befanden.

Und hinterher gibt es dann richtig Gedrängel am Merchandising-Tisch, auf dem nicht nur jede Menge CDs des zwei Zugaben gebenden Herrn Ryder erworben werden können, sondern auch eine ganze Reihe derer von Engerling.

Beim entspannten Heraustreten aus der Halle stelle ich dann erstaunt fest: nicht nur damals, Anno 1979, leuchtete während des (alp-)traumhaften, bizarren Konzertes in der Essener Grugahalle der Vollmond vom nächtlichen Himmel, sondern auch heute, jetzt, im März des Jahres 2009 im beschaulichen Reichenbach. Zufall?