Memo Gonzalez

Memo Gonzalez

Nein, man soll wirklich nicht meinen, dass, wenn jemand Jeans in der Grösse XXXL trägt, dass dieser Jemand unbeweglich, träge, bequem und mit einer Schlaftablette zu verwechseln wäre. Oh nein, dieses Vorurteil muss ich bei Memo Gonzalez sofort revidieren und zwar völlig.

Denn was dieses wahrlich imposante Blues-Schwergewicht aus Texas, dort auf der Bühne in der Manege Ratingen abliefert, ist ganz große Klasse. Nach spätestens einer Minute steht niemand mehr still und bis zum Ende des Konzertes, bei dem erst nach Mitternacht die Instrumente weg gestellt werden, hat die Band  das ca. 220-köpfige begeisterte Auditorium mit ihrem Mix aus Blues, Boogie und eleganten Jumps auf ihrer Seite. Ja, das ist unüberseh- und unüberhörbar, bei diesem schwitzenden Chicago-Tex-Mex Blues steppt der Bär, und das erst recht, wenn Memo Gonzalez seinen riesigen Körper im Rock` n`Roll Rhythmus über die Bühnenbretter schiebt, mit dem Mikrofonständer twistet und dazu seine Hüften bei „Shake it, shake it Baby“ im Takt schwingt.

Das gibt johlenden Sonderapplaus und den bekommt er natürlich ebenfalls, als er ein Mädel aus der 1. Reihe zum schmachtenden Schmusetanz bei „Please come Home“ auf die Bühne holt. Denn auch so richtig gefühlsbetonte Blues-Songs hat die Band zu bieten, und der großartige, im Texas-Style spielende Stratocaster-Guitar Slinger Kai Strauss im bestickten, schwarzen Westernhemd ( der bei zwei oder drei Nummern auch für die Vocals zuständig ist) bildet zusammen mit Memo ein Front Duo, dass es wirklich in sich hat.

Und das nicht nur optisch. Da steigen die Temperaturen im Saal ins Copacabanische und bei „Greyhound“ von ihrer CD „10.000 Miles“ ist so manch einem die Kinnlade hinunter gefallen. Die Kinnlade dürfte auch unten geblieben sein, als dieser Mann mit „Dynomite Nitro“ loslegt.
Unbändig ist die Spielfreude der Jungs, witzig sind sie, einfallsreich und dazu feuern sie mit so einer geballten Ladung Energie die Songs nacheinander ins Publikum, so dass dieses, außer in der Pause, gar nicht zum Ausruhen kommt. Aber dazu hat natürlich auch niemand Lust, denn der temperamentvolle Memo mit seinem glitzernden Goldschmuck und seine Kumpanen bringen mit ihrer ansteckenden guten Laune das eh schon euphorische Publikum immer wieder zum Kochen.
Spät, sehr spät erst, die Ohren betäubt von Musik, ist Zeit für ein paar Worte mit der Band. Memo Gonzalez schreibt  „To Rosie“ auf die neu erstandene CD und die anderen schreiben etwas ins Booklet.
Die Flaschen sind  leer, der Fußboden klebt. Auf den Tischen sieht es aus, als ob jemand Leergut verkaufen würde.
Oh ja, das war ein Abend wie lange keiner in Ratingen, das war eine Blues-Party, so wie man sie sich wünscht!
Danke Jungs, für dieses phantastische Konzert!