Märzhalb
Ich nippe an meinem Weinglas und betrachte die Reste der Mahlzeit, die uns in den letzten beiden Stunden beschäftigt hat. Gerade hat die E. ein paar Kerzen geholt, die übrig geblieben sind von Weihnachten, und deren flackernde Flammen jetzt einen unruhigen Schein auf den Tisch werfen.  Im Hintergrund läuft „Liquid Acrobat As Regards The Air“.
Wieder haben wir uns über Filme unterhalten, denn wir schauen uns gerne Filme an, klar. Und das am liebsten im Kino.  Auch klar.

Wir diskutieren also über Filme, über deren Ausdrucksmittel und deren Voraussetzungen. Nämlich wenn es darum geht, unsichtbare Dinge sichtbar zu machen und sie zu gestalten.  Oder sie jedenfalls wahrnehmbar zu machen.
Wir fragen uns, wie man es anstellt, zu zeigen, dass es um mehr geht als um das, was man da auf der Leinwand vor sich sieht.
„Und was ist dabei das Wesentliche?“ fragt die A. und bläst die dicke Kerze aus, die in den Camembert und die zerknüllten Papierservietten gekippt ist.
Eine Rauchwolke wabert über den Tisch und lässt ihn und die Überreste der Mahlzeit für einen Augenblick wie ein Schlachtfeld en miniature erscheinen.
„Das Wesentliche,“ wiederholt der K., „ich denke, das ist dieses besondere Raster. Die Welt ist unfassbar vieldeutig und irrational. Diese Welt auf einer einfachen zweidimensionalen Leinwand vollkommen klar und begreiflich erscheinen zu lassen, das ist es.  Das ist die Kunst dabei.“

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